Pianonews 01 / 2022

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Faszinierende Klänge einer Klavierbau-Rarität

Kirill Gerstein und sein Bechstein-Moór-Flügel

Von: Carsten Dürer

Manches Mal gibt es diese Momente im Leben, in denen man auf etwas aufmerksam wird, von dem man sich nicht mehr lösen kann. Als wir den Artikel über den Pianisten Gunnar Johansen veröffentlichten, war er an einem Instrument mit Doppel-Tastatur zu sehen, dem Moór-Flügel. Davon hatte ich noch nicht gehört, doch es klang spannend, und so machte ich mich auf die Suche nach solch einem Instrument und der Hintergrundgeschichte. So ging es auch dem Pianisten Kirill Gerstein, der in den 1990er Jahren Aufnahmen mit dem Pianisten Gunnar Johansen hörte und erkannte, dass der von ihm in diesen Aufnahmen benutzte Moór-Flügel mit Doppelklaviatur ein ganz besonderes Instrument ist (s. auch das Porträt über Johanssen in Ausgabe 4-2021 von PIANONews, S. 20 ff.). Welche Geschichte hinter dem Flügel steckt und wie der in Berlin lebende Gerstein an seinen Flügel kam, wollten wir einmal genauer beleuchten und besuchten den Pianisten.

Erst einmal muss geklärt werden, wer dieser Emanuel Moór (1863–1931) überhaupt war. Und da muss man ein wenig wühlen, denn zwar gibt es eine Stiftung, die sich dem Komponisten und Erfinder Emanuel Moór und seinem Bruder Henrik Moór bemüht, doch sind die Informationen dennoch recht spärlich. Man muss schon tiefer graben, um sich einen eingehenderen Eindruck zu verschaffen. Und da gibt es nur die 1959 veröffentlichte Biografie des australischen Pianisten Max Pirani über Emanuel Moór, die längst vollkommen vergriffen und nur in wenigen Bibliotheken in englischer Sprache vorhanden ist. Doch wenn man dieses große Porträt über Emanuel Moór liest, fragt man sich gleich, warum dieser Mann nicht bekannter ist. Denn der Ungar Moór war schon in jungen Jahren ein pianistisches Wunderkind und studierte neben dem Klavier auch Komposition – unter anderem bei Anton Bruckner. 1885 ging er in die USA, machte dort Karriere als Pianist und Dirigent – und hatte auch erste Erfolge mit seinen Kompositionen. Nach seiner Heirat mit Anita Burke, Tochter aus einem reichen irisch-amerikanischen Haus, ließ sich das Paar in England nieder, und Moór gab nach kurzer Zeit seine Pianistenlaufbahn auf und vertiefte sich gänzlich ins Komponieren. Bald schon wurden Kontakte zu namhaften Künstlern der Zeit geknüpft, die seine Musik spielten und unterstützten. So die Dirigenten Arthur Nikisch und Willem Mengelberg. Doch unter den Unterstützern seiner Musik waren auch Pablo Casals, Eugène Ysaye, Jacques Thibaud und dann Pianisten wie Alfred Cortot, Harold Bauer oder Mieczyslaw Horszowski. Er schrieb wie ein Besessener neue Musik und schuf 228 Werke. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, verlor er den Kontakt zu vielen Musikern. Ab 1901 war er mit seiner Frau in die Schweiz gezogen und lebte dort während des Krieges zurückgezogen. Selbst ein wunderbarer Pianist, war er dennoch immer unzufrieden mit den Instrumenten, die er spielte, war immer auf der Suche nach neuen Klangmöglichkeiten.
1918 dann begann sich Emanuel Moór der Idee zu widmen, die er schon lange mit sich herumtrug: ein zweimanualiger Flügel, bei dem man die Klaviaturen – ähnlich dem Cembalo oder der Orgel – koppeln kann. Dieser Erfindung widmete er – neben einigen neuen Konstruktionen für Streichinstrumente – den Rest seines Lebens und gab das Komponieren nach einiger Zeit vollkommen auf. In der Sammlung Beurmann in Hamburg befindet sich solch ein Instrument von Bösendorfer, von denen nur 10 hergestellt wurden.

Der Moór-Flügel mit zwei Klaviaturen

Emanuel Moór wollte den modernen Konzertflügel erneuern. Er war vor allem ein Spezialist für die Werke von Johann Sebastian Bach und anscheinend schon in frühen Jahren davon überzeugt, dass das anscheinend so ausgereifte Instrument, das ihm zur Verfügung stand, nicht das gesamte Potenzial dessen ausschöpfte, was es zu leisten imstande wäre, wenn man es veränderte. Natürlich war es für Moór – ebenso wie es noch heute der Fall ist –schwierig, sich mit einem Flügel durchzusetzen, bei dem man das Spiel und seine Technik verändern sollte. Er baute einen Flügel mit zwei Manualen, bei denen die beiden Manuale allerdings zu koppeln waren. Die obere Klaviatur allerdings spielte dieselben Noten eine Oktave höher. Das bedeutet, dass man nicht nur leicht zwischen den Klaviaturen wechseln und somit leichter Oktaven und schnelle Läufe absolvieren konnte, sondern man konnte auch Akkorde spielen, die normalerweise für kleine Hände kaum zu bewältigen waren. Zudem hatte Moór in der Folge die obere Klaviatur so gestaltet, dass die weißen Tasten der unteren Klaviatur im hinteren Bereich auf die Ebene der schwarzen Tasten angehoben waren. So konnte man zum einen ohne Anstrengung einen chromatischen Lauf spielen, aber auf der anderen Seite auch von der oberen Klaviatur leicht die weißen Tasten der unteren anspielen. Der erste, die dieses Instrument fertigte, war der kleine Hersteller Schmidt-Flohr in der Schweiz. Und die ersten Instrumente waren vielversprechend, doch Moór wollte eine Serienproduktion initiieren, da er überzeugt war, dass dieses Instrument für alle – professionellen und nichtprofessionellen – Klavierspieler eine Verbesserung und Innovation bedeutete. Bald gab es in Frankreich Instrumente von Pleyel, danach in späteren Jahren auch von Bechstein und die erwähnten von Bösendorfer. Zudem baute auch Steinway & Sons einen Prototypen-Flügel. Doch wieder kam ein Krieg dazwischen, der Zweite Weltkrieg machte der Idee Moórs endgültig den Garaus. Als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, steckte die Serienproduktion der Moór-Instrumente noch in den Kinderschuhen. Als er dann 1931 verstarb, versuchte die zweite Frau von Moór, die Pianistin Winifried Christie, noch immer, für das Instrument mit Auftritten eine Lanze zu brechen, doch das Instrument, von dem es nur einige wenige gab, wurde vergessen.
Nachdem wir die Geschichte über Gunar Johanssen veröffentlicht hatten, recherchierte ich weiter. Dabei stieß ich auch darauf, dass Bechstein anscheinend etliche dieser Instrumente angefertigt hatte. Bei Nachfrage, ob man davon wisse und wer solch ein Instrument besitzen würde, wurde mir gesagt, dass Kirill Gerstein wohl einen solchen Flügel besäße. Nachdem ich ihn angerufen hatte, bestätigte er dies. Also: Nichts wie auf den Weg nach Berlin, wo der Flügel steht.

Kirill Gersteins Auffinden eines Moór-Flügels

Die Geschichte von Kirill Gerstein und dem Moór-Flügel, der heute bei ihm zu Hause steht, ist eine wahre Abenteuer-Geschichte eines Pianisten, der sich in einen Klang verliebte. „Den Doppeltastatur-Flügel habe ich das erste Mal durch eine Aufnahme von Gunnar Johanssen kennengelernt. Auf dieser Aufnahme spielte er alle Bach-Busoni-Bearbeitungen. Und da hört man, dass es nicht nur von Busoni eine Verdopplung gab, sondern dass dieser Flügel mit doppelten Oktaven erklingt. Ich war damals 16 oder 17 Jahre alt. Und es klang so grandios!“ Dieses Erlebnis blieb dem Pianisten lange Jahre in Erinnerung. Irgendwann führte ihn der Weg nach Australien, wo er daran erinnert wurde …

Den gesamten Artikel lesen Sie in Ausgabe 1-2022 von PIANONews.

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