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Wo üben?

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

wenn Sie zu den glücklichen Klavierliebhabern gehören, die nicht nur die Klaviermusik gerne hören, sondern auch selbst einmal das ein oder andere Stück ausprobieren, werden Sie vielleicht auch ein eigenes Instrument besitzen. Während man in China beispielsweise noch stolz darauf ist, dass man den Nachbarn hören lassen kann, dass man sich ein solches Instrument leisten kann, ist man hierzulande weniger glücklich, wenn der Nachbar mehrere Stunden am Tag Klavier übt. Vor allem bedeutet dies auch für den etwas ungeübten Spieler, dass sein Spiel deutlich von anderen wahrgenommen wird, nicht immer ein Genuss, wenn man noch übt. Aber viele haben gar kein eigenes Instrument, nicht einmal Studenten, die Klavier studieren. Oftmals haben sie weder das Geld noch die Räumlichkeiten, sich ein Instrument anzuschaffen. Wo also üben sie?

Natürlich gibt es in jeder Musikhochschule Überäume. Aber da es immer mehr Studenten gibt, die üben wollen und müssen, da sie aus dem Ausland stammen und – wie schon erwähnt – keine Räumlichkeiten für ein eigenes Instrument haben, sind die Kapazitäten für die Überäume stark begrenzt. Wo aber sonst kann man üben? Mittlerweile gibt es einige Internet-Plattformen, die Überäume vermitteln. Doch wenn man dort schaut, ist man manches Mal bestürzt, welche Instrumente in eigenwilligen Räumlichkeiten zu hohen Stundenpreisen angeboten werden. Dabei gibt es doch so viele Haushalte, in denen Instrumente unbenutzt stehen, manches Mal für Wochen, Monate … Wäre es nicht sinnvoll, wenn mehr von den Besitzern von Flügeln und guten Klavieren sich in einer Hochschulstadt zusammenschließen würde, und den Studenten eine gute Übemöglichkeit bieten? Wäre das nicht im Sinne der Instrumente, die dann gespielt würden. Der ein oder andere Besitzer käme vielleicht sogar in den Genuss eines hochwertigen Spiels, das er ansonsten nur von Tonträger kennt – live und in den eigenen vier Wänden.

Klavierfachgeschäfte haben hier und da dieses Manko der Überäume erkannt und haben solche bei sich eingerichtet. Aber es sind einfach nicht genug. Dass man damit auch bei nicht überzogenen Stundenpreisen sogar einen Teil der Miete für das Geschäft realisieren kann, haben nur wenige begriffen. 

Es gäbe genug Ideen, wo und wie man Übermöglichkeiten anbieten könnte – man muss es nur anpacken.

Der Besuch im Klaviergeschäft …

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

wie fühlen Sie sich eigentlich, wenn Sie ein Klavierfachgeschäft betreten? Nervös, angeregt-aufgeregt, unsicher vielleicht, da man nicht so genau weiß, wie man sich verhalten soll? Will man sich vielleicht nur umsehen, sich vielleicht einmal andere Instrumente anschauen, sie anspielen, als das, was man zu Hause stehen hat? Und dann passiert es, man wird angesprochen, was man denn suchen würde. Mit dem einfachen Satz wie in anderen Geschäften: Ich will mich nur umschauen, kommt man oftmals nicht weiter, denn so viele Kunden gibt es in Klaviergeschäften oftmals nicht. Vielfach hört man einfach gar nichts, ist es mucksmäuschenstill in dieser Umgebung, die doch eigentlich von Musik durchdrungen sein sollte. Also setzt man sich an ein Instrument und spielt einfach? Meist ist man sich unsicher, wie man sich verhalten soll. Letztendlich landen dann viele an einem Hybrid-Instrument, also einem, das man stummschalten kann, um dann über Kopfhörer zu spielen. Allein die Kinder haben keine Bedenken, sich direkt an ein Instrument zu setzen, und das zu spielen, was sie gerade üben. Aber als Erwachsener? Hat man da nicht Berührungsängste, was die Mitarbeiter denken, wenn man nicht gut spielen kann, oder in einem Werk nicht über die ersten paar Takte hinauskommt oder nur eine Seite im Gedächtnis beherrscht. Will man denn mit Noten ins Klaviergeschäft gehen? Dann denkt doch jeder gleich, dass man einmal an einem guten Instrument üben will.

Es ist eine eigenwillige Situation in solch einem Klavierfachgeschäft. Wohl fühlt man sich eigentlich nur, wenn es mehrere Ecken hat, in denen man sich irgendwie „geborgen“ fühlt, wo man nicht das Gefühl hat, man würde beobachtet oder sofort beurteilt. Kann man etwas daran ändern? Nur dadurch, dass man sich gut vorbereitet, das man wenigstens zwei unterschiedliche Stücke ein wenig auswendig gelernt hat, um dann so zu tun, man könnte besser spielen, als man vielleicht wirklich kann. Denn ansonsten müsste es ja wirklich einzelne Räume bei Klavierfachhändlern geben, in denen Instrumente stehen, die man gerade anspielen will. Das gibt es aber einfach nicht. Also gilt nur, sich durchzusetzen und den Fachverkäufer darauf aufmerksam zu machen, dass man tatsächlich nur anspielen, nichts direkt kaufen will, sondern sich einfach wieder einmal informieren muss, um auf dem Laufenden zu bleiben. Natürlich sind die Fachhändler auf Verkäufe angewiesen, wollen auch verkaufen. Einige sind durch den Druck, verkaufen zu müssen, ein wenig zu penetrant, beäugen jeden Kunden mit Argusaugen, ob man ihm nicht doch etwas verkaufen könnte. Ein Klavier will man natürlich auch einfach einmal ausprobieren. Und selbstredend haben dafür fast alle Verkäufer und Inhaber in Klavierfachgeschäften auch Verständnis. Dennoch bleibt ein gewisses Unbehagen. Genau dies müsste man auch seitens der Inhaber bedenken. Ob es eine leichte Lösung dafür gibt? Wohl kaum, so lange man eine gewisse Auswahl an Instrumenten anbieten will, haben die meisten Läden einfach keinen Platz für Wände, die ein wenig Privatsphäre vorgaukeln könnten oder ähnliches.

Was bleibt ist: Die eigene Scham überwinden und sich einfach ans Instrument setzen, sich Zeit nehmen, sich den Klang anhören, das Spielgefühl testen und so fort. Und das ruhig öfter als man es in der Regel tut.

Klassiker und Improvisieren?

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

als klassischer Pianist – gleichgültig ob Anfänger oder Fortgeschrittener – braucht man in der Regel eine Vorgabe, um Musik zu spielen: Die Noten. Und daran haben sich seit vielen Generationen alle immer festgehalten. Immer neue Erkenntnisse von bekannten Werken kommen ans Tageslicht. Immer wieder werden neue Manuskripte gefunden, werden die meistenteils nicht gut leserlichen Handschriften der Komponisten ausgewertet, um bessere Erkenntnisse zu erhalten, was der Komponist genau gemeint hat, wenn er ein Motiv oder eine Phrase schrieb. Doch schauen wir einmal zurück: Bach improvisierte auf der Orgel und dem Cembalo, seine Söhne taten dies, auch Mozart und vor allem Beethoven „fantasierten“ am Instrument, wie man das früher nannte. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben, denn irgendwann im 20.Jahrhundert begannen Pianisten „nur“ Pianisten zu sein und spielten Werke aus Noten. Der Pianisten-Komponist wurde seltener, keiner wagte es mehr vor einem Publikum zu improvisieren. Doch wenn man die Ohrenzeugenberichte gerade Beethoven liest, der stundenlang ohne Vorgaben am Instrument fantasierte, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie Wettstreite zwischen Tastenkünstlern im Barockzeitalter abliefen, dass sie nämlich auf ein gegebenes Thema ganze Fugen und andere Formen aus dem Stehgreif entwickelten – dann erkennt man, dass diese Art des Klavierspiels eine besondere Freiheit für den Spieler offenbart.

Heutzutage ist das Klavierspiel stark pädagogisiert, man achtet darauf, dass alles so gespielt wird, wie es geschrieben steht. Das ist gut so, denn die Komponisten wollten, dass man ihre Werke recht genau wiedergibt. Doch das freie Spiel am Klavier wird dabei vollkommen außer Acht gelassen. Allein in der Welt der Organisten und im Jazz ist das improvisierte Spiel noch vorhanden. Und oftmals schauen die klassisch ausgebildeten Pianisten ein wenig neidisch auf die Jazzer, die da so frei mit dem Klang und den Formen umgehen können.

Vor kurzem war ich Zeuge eines Improvisationsunterrichts der Pianistin Galina Vracheva in Lugano in der Schweiz. Sie unterrichtet dort das Improvisieren für klassisch ausgebildete Studenten am Klavier. Es ist bemerkenswert wie sehr die Jungpianisten sich selbst finden, ihren Klang, ihre Form. Das bedeutet nicht, dass man die Musikgeschichte ad acta legt, sondern man integriert sie, die Formen, die Stile. Der eine ist stärker von Strawinsky und Prokofiew beeinflusst, der andere vielleicht von den Barockkomponisten. Das hört man. Aber all diese jungen Musiker fühlen sich plötzlich befreit, befreit von vermeintlich falschen Tönen, befreit von der Idee, dass man etwas „falsch“ spielen könnte. Auch das Körperbewusstsein ändert sich mit dieser Art des Spiels. Das ist etwas, was alle jungen Musiker erleben sollten, neben ihrer ernsthaften Beschäftigung mit dem Notentext, mit der exakten Wiedergabe von Musik, die aber dennoch viele Freiheiten in sich birgt. Diese Art des improvisatorischen Umgangs mit dem Instrument hilft letztendlich auf vielen Gebieten, auch wenn man zurück zum Notentext geht. Vor allem fördert es die Individualität der Spieler – und das ist etwas, was man nicht hoch genug anrechnen kann.

Solch eine Art von Ausbildung am Instrument sollte für alle Spieler an den Tasten in aller Welt obligatorisch werden, denn auf diese Weise kann man stärker Individualisten erziehen, die Persönlichkeit im Spiel herausarbeiten. Aber letztendlich muss dafür auch eine Offenheit für die Lehre vorhanden sein. Man kann es nur raten, dass sich diese Art von Zusatzausbildung durchsetzen wird.

Sind CD-Kritiken heute noch von Bedeutung?

Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

in einer Welt der beständig fortschreitenden Digitalisierung stellen sich immer mehr Fragen nach traditionellen Formen, die in der Musikwelt seit vielen Jahrzehnten von Bedeutung waren. Dass heutzutage immer mehr Menschen Musik – und auch Klaviermusik – über Streamingdienste mittels einem Abonnement anhören, ist längst bekannt. Dennoch werden auf der anderen Seite immer mehr CD-Einspielungen produziert – von denen letztendlich die Streamingdienste profitieren, denn allein von diesen Aufnahmen speisen diese ihre Inhalte.

Da stellt sich die Frage, ob denn die Genießer von Musik überhaupt noch einen Überblick behalten können, überhaupt noch wissen, was sie anhören sollten. Die Musikkritik im Bereich der Fachmedien wird dabei immer stärker in Frage gestellt. Nun hat aber die Hochschule in Luzern (auch „Lucerne University of Applied Sciences and Arts“) genau wissen wollen, ob Rezensionen für Musikliebhaber überhaupt noch eine Rolle spielen. Das Ergebnis lässt in einer Welt der rein digitalen Medien und des scheinbar unkritischen Konsums auch von klassischer Musik aufhorchen.

Zwischen Januar 2017 und März 2018 hatte man gemeinsam mit der Universität Sheffield 1200 Personen zwischen 17 und 85 Jahren und aus 62 Ländern befragt, ob Musikrezensionen für sie eine Rolle spielen, und vor allem welche. Bemerkenswerte Ergebnisse ergaben sich. 54 Prozent hören klassische Musik immer noch von CD, jeder Zehnte sogar von Langspielplatte. Aber was noch erstaunlicher ist: 62 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig Profi-Musikrezensionen, um sich zu informieren. Dabei werden begründete Bewertungen erwartet, wobei die Bewertungen über die Interpretation und den Klang nachvollziehbar sein müssen. Zudem war den Befragten wichtig, dass die Rezensenten keine normativen Urteile fällen, sondern als experten und Unterhalter gelten, die die Leidenschaft für Musik nahebringen sollten.

Das Ergebnis unter dem Strich: Musik-Rezensionen sind heute fast ebenso wichtig wie noch vor Jahrzehnten – oder vielleicht noch wichtiger. Denn letztendlich werden aufgrund der einfacheren Produktionsbedingungen immer mehr CDs produziert. Und wer würde schon behaupten, dass er den Überblick über die zahllosen Neuveröffentlichungen behalten kann. So orientieren sich die Liebhaber immer stärker an den Besprechungen. Umso wichtiger ist es, diese Besprechungen so neutral von Marketingstrategien und Beeinflussungen aus der Musik-Industrie zu halten. Das allerdings wird immer seltener. Und genau darauf sollte der Endverbraucher durchaus auch seinen Blick richten, denn nur, weil überall eine CD als hervorragend besprochen wird, muss dies noch lange nicht der Fall sein.

 

Musikmessen – Dinosaurier oder Neuheiten-Fetische

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

die meisten Musik- und Instrumentenliebhaber erinnern sich sicherlich noch gut: früher waren Messen die interessantesten Plattformen, um sich über die Neuheiten und die spannendsten Dinge rund um Instrumente, Noten, Bücher, ja selbst HIFI-Komponenten zu informieren. Doch wie sieht das heute aus? Immer mehr Menschen informieren sich über Internet-Plattformen, sogenannte Tests von Benutzern auf YouTube was gerade angesagt und neu oder gut ist. Selbst die große Funkausstellung in Berlin ist kein Garant mehr dafür, dass man auch neue Audio-Geräte oder ähnliches vorgeführt bekommt, da alles nur noch auf visuelle Digitalwelten ausgerichtet ist. Und bei Instrumenten? Nun, die Internationale Musikmesse Frankfurt, die sich ehemals aus der Frühjahrsmesse Frankfurt entwickelte und seit vielen Jahrzehnten existiert, wird immer mehr zu einer Business-Plattform. Das bedeutet: Verkäufer treffen Käufer … wo bliebt da der Endverbraucher? Immer mehr entwickeln sich Messen im Allgemeinen zu sogenannten internen Branchentreffen, zu Konferenzen, in denen sich Fachleute treffen, um über ihr Geschäft zu diskutieren. Endverbraucher sind da eigentlich nicht gern gesehen – aber vor allem sieht man auch nichts, sondern kann den Menschen nur zuhören, was sie meinen.

Nun wird es in diesem Jahr mit der Messe „Musicpark“ in Leipzig im November eine neue Art von Musikmesse geben. Diese soll nun Musik als Erlebnis präsentieren, mit Verkaufsständen, mit Musikerlebnissen. Auch Klavierbaufirmen werden sich dort präsentieren … Immerhin hat Leipzig mit der Buchmesse schon ähnliches geschafft, da die gesamte Stadt Leipzig ein Teil des Messegeschehens ist und man als Besucher wirklich ein Erleben rund um das Kulturgut Buch bekommt. Es bleibt noch abzuwarten, ob dies auch für die Musik gelingt, und ob das Instrument Klavier entsprechend seiner wichtigen Bedeutung in der Musikwelt präsentiert und vertreten sein wird.

Die Frage, die sich stellt: Sind Messen überhaupt noch in einer Welt der digitalen und beständigen Kommunikation ein Mittel für die Information? Natürlich, zumindest könnten sie es sein. Wenn man das Programm entsprechend aufzieht, wären diese Plattformen nicht nur ein Event zur Information, sondern ein kulturelles Treffen für den direkten Austausch zwischen Hersteller, Händler und Endverbraucher. Doch die Kosten sind für die Aussteller oftmals so intensiv, dass sich dies nicht mehr lohnt, sondern ein direktes Endverbraucher-Marketing weitaus besseren Nutzen hat. Auch da sind die Veranstalter, die Messegesellschaften, gefragt. Es bleibt abzuwarten, ob die Messe „Musicpark“ in Leipzig der Idee „Musikmesse“ eine neue Dimension hinzufügen kann. Wünschenswert wäre es allemal.

Entscheidung für Kulturgut

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

das Geschäft mit akustischen Instrumenten ist – einmal abgesehen von dem immer noch Instrumente aufsaugenden Markt in China – nicht gerade einfacher geworden. Immer seltener entscheiden sich junge Menschen ein Klavier zu kaufen, auch wenn die Musikschulen anscheinend voll sind mit Klavierschülern. Das scheint irgendwie nicht zusammen zu passen … Auf der einen Seite gibt es allerdings einen immens großen Markt an gebrauchten Instrumenten. Auf der anderen Seite haben jahrelang gerade Anfänger sich dazu entschieden, Digital-Pianos zu erwerben. Dies ist ein anderes Thema, aber hat natürlich den Klaviermarkt nachhaltig beeinflusst, da diese Instrumente erst einmal dort stehen, wo auch akustische Klaviere (vielleicht auch solche mit Stummschaltungseinrichtungen und integrierten Digital-Pianos) stehen könnten. Was aber bedeutet dies insgesamt für den Klaviermarkt und das Bekennen zu dem, was gerade in Deutschland ein Stück Identifikation des Kulturguts Musik bedeutet?

Ist es nicht so, dass wir momentan in einer Zeit leben, in der gerade jetzt eine junge Generation heranwächst, die bereits mit den digitalen Medien groß geworden ist. Zwar beschäftigen wir uns täglich selbst mit diesen Medien, aber wir dürfen dabei nicht vergessen wie jung diese Entwicklung ist. 2007 wurde mit dem ersten iPhone von Apple der Smartphone-Markt aufgerollt, Google wurde erst 1998 gegründet, damals noch ein Garagenunternehmen. Das bedeutet: Diese „Kultur“ der Alles-Immer-Verfügbarkeit ist so neu, dass die Kinder, die damit aufgewachsen sind, erst jetzt in das Alter kommen, dass sie auch Interesse an Klavierspiel haben könnten. Doch Studien belegen mittlerweile, dass selbst die Eltern schon so absorbiert sind von der Zeit mit den Social-Media und der digitalen Welt, dass sie kaum mehr ein Vorbild für ein mit Büchern und Musik aufwachsenden Kind sein können. Das bedeutet. Das Kulturgut Musik hat sich verlagert auf das passive Hören, nicht mehr auf das Selbstmachen. Das ist kein neues Problem und hat seit dem Radio und der Einführung der Schallplatte bereits Kritiker auf den Plan gerufen. Aber es hat mit der Digitalisierung eine neue Dimension erreicht, eine erschreckende.

Was passiert, wenn nun auf einmal die Kinder kein Klavierspiel mehr lernen? Was passiert mit dem Kulturgut Klavier? Stirbt es aus? Nein, aber es wird ein seltenes Phänomen werden. Wer sich heute schon wundert, dass immer mehr Chinesen die Bühnen der Konzertsäle erobern, dann hat dies einfach damit zu tun, dass die Europäer der westlich-industrialisierten Länder weniger Spitzentalente hervorbringen, da die Jugend kaum mehr Zeit finden würde, sich neben all den Social-Media-Plattformen dem Klavierspiel zu widmen. Und die Eltern leben es auch immer seltener vor.

Was bedarf es dann? Nun, es bedarf einer Erinnerung an das Kulturgut Klavier und seiner Historie, es bedarf dem Aufraffen, sich diesem Kulturgut ganz bewusst zuzuwenden, ansonsten werden in Zukunft nur mehr Kinder von Musikern auch Musiker werden. Wie man aus dem asiatischen und aus den Ländern der ehemaligen Sowjet-Republiken weiß, hat dies mit Vorleben, Erziehung und Disziplin zu tun. Wenn dies alles nicht gelingt, dann wird auch das Instrument Klavier demnächst nur noch aus Asien kommen … und das wäre ein Verlust.

Das Jahr 2019

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

das Jahr 2019 hat soeben begonnen, viele sind immer noch erstaunt darüber, dass das vergangene so schnell vorüberzog. Was hält das Klavierjahr 2019 bereit für die Interessierten? Nun, immer mehr wird man sich langsam auf das darauffolgende Jahr, das Beethoven-Jahr 2020 zum 150. Geburtstag des Bonner Komponisten, vorbereiten. Schon im vergangenen Jahr haben etliche Pianisten damit begonnen, seine Klaviermusik einzuspielen und einige sogar damit, die 32 Sonaten – wieder einmal – komplett aufzunehmen, womit sie im Jahr 2020 fertig werden wollen.Doch es gäbe so viele andere Komponisten aufgrund von Gedenktagen im Jahr 2019 zu feiern.

So beispielsweise den 125. Geburtstag von Erwin Schulhoff, dem von den Nazis verfolgten Komponisten, der wunderbare Sonaten, einzelne Klavierwerke und Klavierkonzerte hinterlassen hat. Ebenfalls aufgrund seines 125. Geburtstags könnte man sich auch an den französischen Komponisten Emanuel Chabrier erinnern, der wunderbare – wenn auch nicht so viele – Klaviermusik schrieb, die richtungsweisend für viele seiner Nachfolger wurde. Auch die russische Komponistin Galina Ustwolskaya ist keine unbekannte und würde 2019 ihren 100. Geburtstag feiern. Ihre Klavierwerke sind immer noch viel zu unbekannt. Worauf sich aber momentan in jedem Fall etliche Künstler, speziell Pianistinnen, stürzen, ist der 200. Geburtstag von Clara Schumann. Diese Pianistin war auch Komponistin wie man weiß. Und dass gerade sie – auch aufgrund ihrer Ehe mit Robert Schumann – einen großen Einfluss auf die Damen am Klavier der folgenden Generationen hatte, ist offensichtlich. Doch das sie nicht nur eine der einflussreichsten Pianistinnen ihrer Zeit war, sondern auch eine hervorragende Komponistin, werden in diesem Jahr etliche Künstlerinnen beweisen. Und das zu Recht, denn ihre Werke rangieren immer noch unter dem Status: Musik einer Frau, die von ihrem Mann lernte und daher eher epigonal ist. Es mag ja sein, dass Clara Schumann sicherlich von dem wirken ihres Mannes Robert beeinflusst war, ebenso von ihrem Freund Johannes Brahms. Und dennoch sind ihre Werke ganz persönlich, ganz eigen in der musikalischen Aussagekraft.

Das muss man nur hören. Und da ihre Musik immer noch viel zu wenig aufgeführt wird, hält sich natürlich das Gerücht, ihre Musik sei weniger bedeutend. Wenn man einmal genau hinsieht, dann sollte man überhaupt die Komponistinnen endlich aus ihrer offensichtlich geschichtlich falsch eingeordneten „Zweitrangigkeit“ herausholen, so wie es die Pianistin Kyra Steckeweh und der Filmemacher Tim van Beveren bereits mit ihrem Dokumentarfilm „Komponistinnen“ getan haben.Auch wenn einige Jahre sicherlich immer wieder aufgrund der Gedenktage an einige Komponisten – und durchaus zu Recht – überschattet sind, sollte man die Vielfalt, an die zu erinnern es sich lohnt, niemals aus den Augen lassen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein glückliches, frohes, gesundes und vor allem klavierreiches Jahr 2019.

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