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Paul Gulda

Über sich und seinen Vater

Von: Carsten Dürer

Es ist nicht immer einfach mit dem Namen eines Vaters aufzuwachsen, der in den Köpfen der meisten Musikliebhaber ein Genie war. Friedrich Gulda gilt heute den meisten Klavierliebhabern immer noch als einer der ganz Großen – nicht zu Unrecht, auch wenn er eine eher „schillernde“ Persönlichkeit war. Aber der große Friedrich hat auch drei Söhne, von denen Paul Gulda immer noch aktiv als Pianist ist. Der 1961 geborene Pianist hat nicht allein gute Erinnerungen an seinen Vater, wie er uns in einem sehr intimen Gespräch gestand. Aber er hat aufgearbeitet, hat seinen eigenen Weg zum Klavierspiel und zu seiner Sicht auf genreübergreifende Stile gefunden. Wir trafen uns in seiner Heimatstadt Wien mit ihm.

Paul Gulda ist ein Künstler durch und durch, das spürt man in jeder Aussage, in jeder Bewegung, wenn man ihm gegenüber sitzt. Aber er ist auch ganz der Sohn von Friedrich Gulda. Eigentlich hatten wir bereits am Telefon ausgemacht, dass wir nicht nur über seinen Vater Friedrich sprechen wollen. Dennoch muss dies geschehen, denn immer noch kuratiert er alte Aufnahmen seines Vaters, die aus den Archiven von Rundfunkanstalten auf den Markt kommen. Als erstes gibt er mir eine ebenfalls von ihm initiierte Doppel-CD, die „Friedrich Gulda Big Band Music“ heißt und alle Werke für Klavier und Big Band von Gulda vereint. Auch Paul Gulda hat ab und zu Werke seines Vaters gespielt: „Aber auf die anderen Dinge habe ich mich nicht so eingelassen. Man kann nicht alles machen in einem Leben.“

Die erste Entwicklung

Paul Gulda ist – selbstredend – in einem reinen Künstlerhaushalt aufgewachsen. Er bejaht, denn immerhin war seine Mutter Schauspielerin. Irgendwie scheint es, dass Paul Gulda eine sehr „normale“ Kindesentwicklung genommen hat, denn immerhin ging er als erstes in die musikalische Früherziehung, was man bei solchen Eltern vielleicht nicht vermutet hätte. Es gab also keinen Willen oder Druck, dass der Sohn Kunst machen sollte, sondern es ging anscheinend um die gute Allgemeinbildung des Jungen. „Ja, da gab es sicherlich mehrere Faktoren, die dazu beigetragen haben. Unser Vater war ja gar nicht mehr im Haus, als ich so alt war, da meine Eltern sich scheiden ließen, als ich drei Jahre alt war. Außerdem haben die beiden Eltern, jeder auf seine Weise, schon ihre Erfahrungen gemacht, was es bedeutet Druck auf ein Kind auszuüben, dass es Musik macht … mehr will ich dazu auch nicht sagen. Bei mir geschah das nicht, da sie diesen Fehler anscheinend nicht wiederholen wollten.“ Dennoch fühlte sich Paul Gulda stark zur Musik hingezogen und erwies sich bald schon als sehr talentiert: „Mein Wille war manifestiert. Ich erinnere mich, dass ich mit dreieinhalb Jahren bereits im Stadtpark beim Johann-Strauß-Orchester mit dirigierte – das war reine Begeisterung. Dann sollte ich Geige lernen, wahrscheinlich auch, damit ich nicht Klavier spielte. Aber Mitte der 60er Jahre war der Geigenunterricht nicht gut. Es gab nur konservatives Zeug und in meinem Fall … das hat sich mehrfach wiederholt: Vater hatte einen Bekannten, das war der Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, also anscheinend das Beste, was es gibt … nein, es war das Schlechteste! Man war mitten in der Hochschule: warten, sitzen und zwischendurch ein paar Töne kratzen, dann aber von den erwachsenen Studenten Paganini-Capricen anhören. Nach einem Jahr sollte und musste ich das dann nicht mehr weitermachen. Es war alles wirklich ganz normal – allzu normal vielleicht.“

Dennoch ließ sich der Wunsch Paul Guldas Musik zu machen nicht unterdrücken. „Also habe ich dann mit acht Jahren doch mit dem Klavier begonnen. Zu dieser Zeit war mein Vater mitten in seiner avancierten Jazz-Phase. Und da gab es für mich nur einen Klavierlehrer, Fritz Pauer, der pianistische Partner meines Vaters dieser Jahre. Der schickte dann bald schon seinen besten und talentierten Schüler Roland Batik, an seiner Stelle, um mich zu unterrichten. Batik, ein beginnender Jazz-Pianist, der aber auch Klavierpädagogik an der Musikhochschule in Wien studierte, war besser als Lehrer ausgerüstet. Es waren also eher Zufälligkeiten, die bei mir ihre Auswirkungen hinterlassen haben.“

Musiker, so sagt Paul Gulda, ist er aus eigenem Antrieb geworden: „Mein Vater hatte nach seiner Scheidung bei uns zu Hause eine Blockflöte hinterlassen. Mein älterer Bruder zeigte mir die Griffe darauf, denn er musste das Instrument immer üben, obwohl er es nicht mochte. Nach zwei Wochen konnte ich alles, was er konnte, nur besser. Und so durfte er dann auch aufhören und ich bemerkte, wie man Musik macht. Ich kam damals von der Schule nach Hause, legte eine Platte mit Beethoven-Sinfonien auf und spielte auf der Blockflöte alle Stimmen, die man spielen konnte, Flöte, Klarinette, Geige. Ich war also Musiker mit 10 oder 11 Jahren – das war mein Leben!“ Die Mutter spielte Klavier, Musik war natürlich immer präsent. Das half sicherlich. Dennoch gibt Gulda zu bedenken: „Ja, es hilft, aber man kann solche Dinge ja nicht prognostizieren, nur weil die Eltern Musik machen oder musikalisch sind, dass die Kinder es auch werden. Mein über alles geschätzter älterer Bruder Wolfgang David hatte dasselbe Ambiente und hat nie ein Instrument auch nur annähernd zu einer Reife führen können. Man kann es nicht voraussagen.“ Aber der ältere Bruder wollte es vielleicht auch nicht. „Nun, man hatte es ihm lange nahe gelegt“, sagt Paul Gulda und lässt erkennen, dass damit die Erfahrungen der Eltern bei der Ausübung von Druck auf ein Kind gemeint waren, was er zuvor nicht weiter kommentieren wollte.

Vater als Lehrer

Aber irgendwann kam es dann doch zu einem Unterricht dem Vater. Wie war das? „Soll ich das wirklich offenherzig erzählen?“, fragt Paul Gulda eher rhetorisch, denn er beschließt dann: „Ich kann es ja ganz offen erzählen. Das ist alles so tief mit persönlichen Dingen verquickt, dass es für mich ganz und gar kein Spaß ist, darüber zu sprechen.“ Er wird nachdenklich. „Mein Vater war eine wirklich sehr komplizierte Persönlichkeit. Wenn Sie sich die öffentlichen Äußerungen und die Interviews, die vielen Zusammenstöße mit Personen ansehen, dann können Sie mein Wort als wahr nehmen, dass es privat eigentlich gar nicht anders war. Das waren heftige Leidenschaften. Er konnte ja auch sehr charmant, in der Öffentlichkeit und auch dem Publikum gegenüber der charmante Wiener sein und auch der große Liebende gegenüber den Großen der Klassik und des Jazz. Das gab es ja auch. Aber es gab halt auch die andere Seite, die abgründige, eigenbrödlerische, abgekehrte, enttäuschte – und dann auch aggressive.“ Er denkt nach wie er beginnen soll zu erzählen … „Ja, als ich dann 15 Jahre alt war, kam mein Vater darauf, dass der bis dahin als gut genug empfundene Klavierlehrer doch nicht gut genug war. Plötzlich. Er würde es ab nun übernehmen und er sei ab sofort mein Lehrer, ließ er verlauten.“ Das entschied aber der Vater allein, ohne Mitsprache des Sohns.

Das gesamte Interview lesen Sie in der Ausgabe 6-2017 von PIANONews.

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