USA im Abseits?

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

hatten die Pianisten Krystian Zimerman oder Grigory Sokolov es schon immer gewusst, dass die USA kein Land sind, in dem die Kunst so hochgeschätzt wird, dass man sich dorthin begeben muss? Seit vielen Jahrzehnten lehnen diese Pianisten es ab in den USA aufzutreten. Natürlich hat dies auch andere Gründe, das reisen selbst zu vermeiden und einige andere. Aber dennoch sind auch immer politische Argumente im Schwange, wenn es darum geht, nicht in bestimmten Ländern aufzutreten. Das betrifft natürlich nicht nur die USA, sondern auch andere Länder. Doch momentan ist die politische Ausrichtung der USA unter der Administration des Präsidenten Donald Trump nicht gerade ausländerfreundlich. Und wenn man die gesamte Situation der politischen Agenda in den USA betrachtet, kann man gar nicht alle Ressentiments gegen Kultur, Bildung und Ausländerfeindlichkeit aufzählen, die Trump und seine Schergen erlassen haben.
Was bedeutet das nun für die Pianisten? Nun, als erstes müssen sie sich selbst befragen, ob sie in ein Land, das offensichtlich gegen all die genannten Freiheiten steht, reisen wollen. Natürlich müssen sie sich auch fragen, welches Repertoire sie noch spielen „dürfen“, denn immerhin ächzen auch die großen Konzerthäuser und privaten Ausbildungsinstitutionen bereits unter den kulturellen Sparmaßnahmen. Und ohnehin sind in den USA selten modernere oder sogar kritisch rezipierte Repertoirestücke gewünscht. Das Publikum dort denkt und agiert anders. Das ist die eine Seite der Medaille, denn jeder Künstler muss ich fragen, ob er mit seinem Auftritt nicht auch die politische Ausrichtung im Land unterstützt. Die andere Seite allerdings ist das Publikum, vor dem man gerne spielen möchte, die vielen privaten Sponsoren, die das gesamte Musikleben in den USA am Leben halten. Sollte man sie vor den Kopf stoßen, nur da man mit der Politik im Land nicht einverstanden ist? Geht es nicht gerade um den Freiheitsgedanken, wenn man dort auftritt, wo die Politik gerade diese Freiheit mit Füßen tritt? Und selbstredend geht es auch um den schnöden Mammon, denn die Künstler wollen und müssen natürlich auch Geld verdienen. Und nicht viele können es sich erlauben, Auftrittseinladungen aufgrund von Einstellungen gegen die Politik leisten …
Es sind viele Facetten, die es zu bedenken gilt. Ich denke, dass es wichtig ist, die Kunst in den Vordergrund zu stellen. Das wird nicht in jedem Fall einfach sein, aber man sollte es zumindest versuchen. Zwar sind Musik deren ausführende Protagnisten niemals ganz unpolitisch, aber noch ist es nicht soweit, dass man die USA nicht auch noch auf der Agenda haben sollte.

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