Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,
haben Sie sich eigentlich jemals gefragt, wie genau der reguläre Ausbildungsweg eines Pianisten aussieht? Oftmals sind erfolgreiche Pianisten bereits in jungen Jahren zum Klavierunterrichtgekommen. Oftmals hatten sie Glück mit ihrem ersten Klavierlehrer, suchten dann aber bald schon nach einem Professor, der sie für den Rest des Lebens anleitet. Da gab es in der Vergangenheit ikonische Persönlichkeiten, die das Zeug dazu hatten, jeden Schüler und Studenten persönlich anzuleiten und die individuellen Charakterzüge herauszuarbeiten. Doch das sind – wie bei den späteren Pianisten auch – Einzelpersönlichkeiten. Nun haben wir aber allein Deutschland 24 Musikhochschulen, in denen jeweils mehrere Professoren die Klavierstudenten ausbilden. Fragt man sich da nicht auch einmal, wer diese Professoren eigentlich sind, was sie eigentlich dazu befähigt, den internationalen Pianistennachwuchs auszubilden?
Nun, es gibt öffentliche Ausschreibungen für die Neubesetzungen solcher Professuren. Nach einer Vorauswahl der Bewerber werden dann einige zum Unterrichten und Vorspielen in die Hochschulen eingeladen. Die Kommissionen, die darüber entscheiden, bestehen dann in der Regel aus Professoren, die dieses Verfahren vor vielen oder erst wenigen Jahren durchlaufen haben. Aber bedeutet dies nun, dass jemand, der sich durchsetzt, auch wirklich dazu befähigt ist über viele Jahre die Studenten aus aller Welt für das Leben als Pianist vorzubereiten? Oftmals kennt man kaum einen der Namen dieser Professoren, da die meisten sich längst aus einer aktiven Auftrittszeit zurückgezogen haben, und sich ausschließlich dem Unterrichten widmen. Aber haben diese Professoren, die oftmals auf Lebenszeit in ihren Posten sitzen, wirklich das pädagogische Talent sich den so unterschiedlichen Studenten individuell anzunehmen wie es die großen Ausbilder-Persönlichkeiten anscheinend konnten?
Es bleibt fraglich, ob dieses Konzept einer Berufung für eine Lebensaufgabe wirklich sinnvoll ist. In anderen Bereichen muss man erst einmal seine Doktorarbeit schrieben, muss Habilitieren, viel unterrichtet und veröffentlicht haben, um überhaupt für eine Professur in Frage zu kommen. Natürlich ist es in der Kunst, also auch in der Musik, etwas vollkommen anderes. Aber müssen wir tatsächlich Professoren in den späten 20er oder 30er Jahren in solche Positionen bringen, obwohl diese nachweislich kaum Unterrichtserfahrung haben? Und sollte man nicht darauf achten, dass diese Professoren dann auch noch genügend Zeit haben, auf der Bühne zu sitzen, um aus erster Hand das Wissen an die Studenten weiterzugeben?
Es gibt viele fragliche Elemente in der Ausbildung für unsere Pianisten, und man kann nur hoffen, dass diese etwas starren Systeme in Deutschland irgendwann einmal auf den Prüfstand kommen.
