Kooperationen: Gemeinsame Plattformen könnten Preise senken

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

die Preise für Klaviere sind gerade niedriger geworden in den vergangenen Jahren. Vor allem nicht die von deutschen Herstellern. Die Sozialabgaben, die Materialpreise, die Lieferkosten und die Herstellungskosten wie Entsorgung von Restmaterialien, Filteranlagen und Energiepreise sind für alle Hersteller in die Höhe geschnellt und werden selbstverständlich – wie bei allen Produkten – auf die Käufer umgelegt.

Doch es gäbe meiner Meinung nach eine vielleicht etwas unorthodoxe Lösung. Die deutschen Hersteller sind in ihren Stückzahlen mittlerweile gegenüber denen aus Fernost recht klein geworden. Was wäre also, wenn sie gemeinsam ein Produkt einwickeln würden, das sich dennoch unterscheidet. Wie ich das meine? Ein Beispiel: Die Automobilindustrie kooperiert schon seit vielen Jahren miteinander, da die Entwicklung einer Plattform für ein bestimmtes Modell erst einmal recht hohe Summen verschlingt. Schauen wir auf die Transporter: Ob die Modelle unterschiedlicher Hersteller nun Sprinter, Crafter, Boxer oder sonstwie heißen, sie sind alle auf derselben Plattform aufgebaut. Das Innere allerdings bleibt individuell: Innenausstattung und vor allem die Motortechnik.

Was wäre also, wenn die Klavierhersteller sich auf zwei oder drei unterschiedlich große Modelle einigen könnten, die von der Rahmen-, Gehäuse- und Rastenkonstruktion sowie von der Oberfläche gleich wären? Diese könnten in einem einzigen Betrieb mit genügend Kapazitäten hergestellt werden und an die unterschiedlichen Hersteller geliefert werden, die dann all das, was das akustische Inneninstrument ausarbeiten. Damit wären die Instrumente immer noch individuell genug, da jeder Hersteller seine eigenen klanglichen Ideen einbringen könnte. Dafür müsste es allerdings einen Konsens geben, damit genügend Hersteller eine bestimmte Stückmenge solcher Instrumente abnehmen könnten. Dies würde den Preis aufgrund der geringeren anfallenden Kosten für Entwicklung, Entsorgung, Energiekosten etc. deutlich senken. Und somit könnte man auch für den Endverbraucher günstigere Preise für Klavier „Made in Germany“ anbieten. Zudem wäre dies sicherlich auch ein Modell, um wieder mehr Instrumente aus deutscher Herstellung zu exportieren – man wäre im Vergleich wieder konkurrenzfähiger.

Warum diese Ideen bislang noch nicht funktionieren? Nun, jeder Hersteller glaubt, dass er so individuell herstellt, die Marke ein bestimmtes Image hat und man nicht in einen Topf mit anderen geworfen werden will, dass man sich nicht zusammensetzt, um solche Pläne zu entwickeln. Es fehlt bislang an der Gesprächsbereitschaft. Immer noch herrsch das Denken vor, dass es wichtig ist ein Instrument an einen Kunden zu verkaufen, damit der Konkurrent genau an diesen Kunden kein Instrument verkauft. Das funktioniert in einem florierenden Markt vielleicht auch, da dann jeder Hersteller genug Instrumente verkaufen würde. Aber in Zeiten, in denen das Klaviergeschäft nicht gerade boomt, sollte man endlich althergebrachtes Denken über Bord werfen.

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