19. August 2010
von Carsten Duerer
Seit anderthalb Tagen befinde ich mich in Ostremecko, einem polnischen Städtchen in der Nähe der größeren Stadt Bydgoszcz. Hier findet seit einigen Jahren der Paderewski Wettbewerb für Klavier statt und seit letzten Jahr auch die ?Paderewski Piano Academy?, zu deren zweiten Austragung ich die Reise auf mich genommen habe. Warum ich nach Polen fahre, um einen Klavierkurs anzuhören? Nun, dieser Kurs ist ein einmaliger in der reichen Kurslandschaft, denn hier können je 10 Studenten in je einer Woche nicht einfach nur Einzelkurs in Klavier erhalten, sondern mit Orchester proben. Und das ist die Idee, die jungen Studenten aus aller Welt an das Spiel mit Orchester heranzuführen. Ein Muss, wenn man häufiger die Finalrunden bei Wettbewerben erleben durfte und erstaunt feststellen musste, dass die Studenten erstmalig mit einem Orchester auf der Bühne sitzen. Hier in einem alten Palastgebäude in Ostremecko, das heute ein Hotel beherbergt, haben die Stundenten jeden Tag die Gelegenheit mit dem Sinfonieorchester der Stadt Thorun zu spielen. Henry Martenka, der auch den Wettbewerb auf den Namen des berühmten polnischen Pianisten und Staatmannes Paderewski gründete, hat gemeinsam mit dem in Köln an der Hochschule unterrichtenden Professor Ilya Scheps diese Idee in die Welt gebracht.
Und wie nötig es ist, sieht man schnell, wenn man die ersten Proben der Studenten aus aller Welt erlebt. Und natürlich haben sie sich nicht die leichtesten Werke ausgewählt, sondern die, die sie auch in einem Wettbewerbs-Finale benutzen können: Brahms? 1., Griegs Klavierkonzert, Rachmaninows 2., Tschaikowskys 1., Beethovens 3. und Chopins 2. Eine riesige Herausforderung für das Orchester, das sich wacker schlägt. Ilya Scheps und Einar-Steen Nokleberg unterrichten dann nach dem Zuhören der Orchesterproben, jeden Nachmittag die jungen Pianisten in der Akademie von Bydgoszcz einzeln in diesen Konzerten. Warum hier? Nun, Bydgoszcz hat eine wirklich gute Klavierabteilung in der Akademie, die seit Rafael Blechaz, dem Gewinner des letzten Chopin-Wettbewerbs in Warschau etwas bekannter geworden ist. Ein straffes Programm für die Lehrer und die Pianisten, aber vor allem für das Orchester und den Dirigenten Jan Jakub Bozun, der hier grandiose Arbeit für alle leistet.
Morgen etwas mehr …
21. Juli 2010
von Carsten Duerer
Liebe Klavierfans,
wieder einmal bin ich nach New York City gefahren, um mir die Studenten und die Konzerte beim von Jerome Rose gründeten und künstlerisch geleiteten ?International Keyboard Institute and Festival? am Mannes College of Music anzuhören. Es ist mehr als heiß und schwül in dieser großen Stadt. Immer wieder wird Regen angesagt, doch der bleibt aus. Man freut sich schon über die kleinste Brise, ein Windstoß, oder über ein paar Tropfen vom Himmel, die die Luft aber letztendlich noch dicker werden lassen.
Jerome Rose selbst lässt es sich niemals nehmen das eigene Festival mit einem Konzert-Recital zu eröffnen. Eine schwierige Aufgabe, da jeder weiß, dass im Saal mit seinen 200 Plätzen nur wenige Nichtpianisten oder Klavierkenner sitzen. Die Studenten sind vor ort, die anderen Lehrer, ein Teil der später im zweiwöchigen Festival auftretenden Pianisten sowie Klavierfans und Presse. Und das bedeutet Druck auf den Künstler. Jerome Rose hat diesem Druck nicht immer erfolgreich wiederstanden, aber in diesem Jahr waren mit den beiden späten Schubert-Sonaten D 958 und D 859 zwei großartige Interpretationen von ihm zu hören, zwei Mahnsteine der Weltliteratur, die zeigten, welches Potenzial dieser Pianist immer noch besitzt. Feinsinnig mit viel verinnerlichter Stimme konnte er besonders die lyrischen Passagen, das suchende Element gestalten, wusste aber ebenso grandios die ausbruchartige Dramatik der Musik zu erfühlen.
Und obwohl ein New Yorker Steinway und ein eben solcher aus Hamburg auf der Bühne standen, wählte Rose das neueste Yamaha-Produkt, den neuen CFX, den neuesten Konzertflügel aus. Eine gute Wahl, denn bis auf einige Töne, die eigenwillig und blechern herausstachen, war das Potenzial dieses Instruments wunderbar und unterstütze Jerome Roses ausgefeilte Anschlagkultur mit brillantem Klang in jedem dynamischen Bereich.
Als am kommenden Tag Hinrich Alpers sich für sein Programm mit Schumanns ?Kinderszenen?, Beethovens Op. 110 und der achten Sonate von Prokofiew für den New Yorker Steinway entschied, konnte man deutlich den Unterschied erkennen, einmal abgesehen davon, dass dieses Instrument weitaus älter ist. Etwas dumpf und getragen kommt der Klang daher, auch wenn der Gewinner des letzten Beethoven-Wettbewerbs in Bonn genau nach diesem Klang suchte, wie er sagte, war der Klang im Saal alles andere als überzeugend. Und so geriet sein Konzertnachmittag zu einer kleinen Enttäuschung, da auch sein Spiel in einer zu gleichen Stimmung verhaften blieb. In der Beethoven-Sonate konnte er noch einen wunderbare dramatische Steigerung entwickeln, die Sonate von Prokofiew allerdings geriet zu einer Geduldsprobe für das Publikum und man hatte den Eindruck, dass dieser Komponist kein wirklich guter war … Allein der 2. Satz sollte doch eher wie ein Ballett-Aphorismus daherkommen, geriet aber zu einem schwankenden Lied. Und auch die Akzente und die Dramatik kam nicht zum Vorschein.
Bei aller Hitze in New York lohnt sich dieses Festival aber vor allem, um neue Studenten zu entdecken und junge Talente am Nachmittag zu hören, die Wettbewerbe für sich entscheiden konnten, oder aber einfach nur spannend sind. Das Festival hat eigentlich erst gerade begonnen, noch kann man sich für einen Besuch entscheiden.
Ihr
Carsten Dürer
6. Februar 2010
von Carsten Duerer
Liebe PIANONews-Leserinnen und -Leser,
wieder einmal ? nach drei Jahren ? habe ich mich aufgemacht, um im Zürcher Oberland das engagierte kleine Klavierfestival ?Klavierissimo? zu besuchen. Und es ist wirklich ein gutes Festival, eines, das viele interessante Pianisten präsentiert, die man nicht allerorten zu hören bekommt. In diesem Jahr waren die Highlights sicherlich Cyprien Katsaris, Werner Bärtschi, der auch gleichzeitig der künstlerische Leiter des Festivals ist, und Ivo Pogorelich. Doch dann war da ein Konzerterlebnis, das so schrecklich war, dass es in die Rubrik ?Unverschämtheit? passt. Weiterlesen… »
31. Januar 2010
von Carsten Duerer
Nun, Gstaads Festival Sommets Musicaux ist spannend und interessant. Allerdings halten nicht alle Pianisten, was ihr Name und Ruf verspricht. Yevgeny Sudbin war eher enttäuschend wie auch David Kadouch ? beide waren eng im Zeitplan und schienen andere Festivals und Verpflichtungen vielleicht wichtiger zu nehmen? Weiterlesen… »
30. Januar 2010
von Carsten Duerer
30. 1. 2010
Gestern also der erste Abend in Gstaad bei den 10. ?Sommets de Musicaux?. Die Kirche im nahe Gstaad gelegenen Saanen ist ein Kleinod barocker Baukunst. Doch für die Akustik eines größer besetzten Ensembles ist sie nicht so gut geeignet. Aber es nun einmal Winter, draußen kann man keine Konzerte veranstalten, andere Säle stehen nicht zur Verfügung. Kirill Gerstein spielte Mendelssohns 1. Klavierkonzert ? spritzig, energiegeladen. Weiterlesen… »
29. Januar 2010
von Carsten Duerer
Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,
es ist schon etwas Besonderes im Winter nach Gstaad im Berner Oberland zu reisen. Soeben bin ich eingetroffen, nachdem man mehrfach in immer kleinere Züge vom Zürcher Flughafen wechselt, bis hin zu einer Bummelbahn, die sich die Berge hinauf schlängelt und die schönsten Ausblicke in tief verschneite Täler eröffnet. Weiterlesen… »
29. Oktober 2009
von Carsten Duerer
Lieber Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,
die 2. Runde im Liszt-Wettberb, dem bereits 6. in Weimar hat begonnen, nachdem die Kandidatenja schon in Bayreuth die 1. Runde absolviert haben (eine Neuerung dieses Wettbewerbs)
Das Wetter scheint sich zu bessern ist hier in der Region meist weniger regnerisch als bei uns im Rheinland (Düsseldorf), aber so richtig kann sich hier die Sonne auch nicht entscheiden, ein wundervolles Herbstwetter zu kreieren. Doch die Kandidaten lassen sich nicht davon beeinflussen, haben Liszts Werke weltweit für sich entdeckt Weiterlesen… »
28. Oktober 2009
von Carsten Duerer
Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,
nun schwingt sich das Jahr auf ein Ende einzuleiten, bei dem in Deutschland neben dem Beginn der Konzertsaison vor allem der Klavierwettbewerbs-Zirkus wieder einmal im Mittelpunkt steht. Und wenn in diesem Jahr überhaupt schon zahllose wichtige Wettbeweber stattgefunden haben, so ist es selten, dass ausgerechnet in Deutschland, wo die Wettbewerbsssturktur der größeren interenationalen Leistungsvergleiche dieser Art noch eher zurückhaltend in der Anzahl ist, innerhalb von nur knappen zwei Monaten gleich drei dieser Art stattfinden. In Weimar wird der Liszt-Wettbewerb ausgetragen, in Bremen der Internatioanle Klavierwettbewerb Bremen und am Ende des Jahres findet dann noch der Beethoven Competition Bonn statt. Weiterlesen… »
2. September 2009
von Carsten Duerer
Liebe Leserinnen,
es bleibt spannend in der Wettbewerbs-Welt in diesen Tagen: Da ist der Busoni-Wettbewerb, in dessen internationaler Presse-Jury ich Mitglied bin. Doch zeitgleich läuft der renommierte Clara Haskil-Wettbewerb in Vivey und der großartige Wettbewerb in Leeds. Es bleibt spannend, da es am 4. September also gleich drei neue Preisträger großer Klavierwettbewerbe geben wird, die in die Welt entlassen werden. Doch reicht dies aus, um wirklich auf sie aufmerksam zu machen? Weiterlesen… »
2. September 2009
von Carsten Duerer
Liebe Leser,
nun ist der zweite Tag beim Busoni-Wettbewerb in Bozen vorbei. Und nachdem nun letztendlich nur 22 Kandidaten angereist sind, wird morgen schon der letzte Tag der ersten Solo-Semifinalrunde anstehen. Heute spielten 9 Kandidaten jeweils 45 Minuten. Ziemlich anstrengend, allen zu lauschen. Aber auch spannend, hört man doch hier endlich einmal Klaviermusik von Busoni. Weiterlesen… »