Gstaad Festival 2
30. 1. 2010
Gestern also der erste Abend in Gstaad bei den 10. ?Sommets de Musicaux?. Die Kirche im nahe Gstaad gelegenen Saanen ist ein Kleinod barocker Baukunst. Doch für die Akustik eines größer besetzten Ensembles ist sie nicht so gut geeignet. Aber es nun einmal Winter, draußen kann man keine Konzerte veranstalten, andere Säle stehen nicht zur Verfügung. Kirill Gerstein spielte Mendelssohns 1. Klavierkonzert ? spritzig, energiegeladen.
Mendelssohn mal nicht als versüßte Jugendergüsse, sondern al ernste Musik. Das Orchestre de la Suisse Romande unter Walter Weller gab sich Mühe, konnte aber nicht wirklich beeindrucken. Der Zusammenklang war eigenwillig ? als würde der Pianist in einem anderen Raum spielen, als das Orchester. Das Publikum, Schweizer Hochfinanz, war anscheinend wenig beeindruckt, wenn man dem Applaus glauben schenken wollte. Doch nach einer eher langatmig gespielten Linzer Sinfonie von Mozart war es dann die 21-jährige Geigerin Alexandra Soumm, die mit Bruchs Violinkonzert die Herzen der Zuhörer eroberte. Warum? Nun, sie spielte kraftvoll und richtig, auch in musikalischer Hinsicht. Aber glaubwürdig in künstlerischer Hinsicht war dieses Spiel bei weitem noch nicht. Da sie aber jünger und zierlicher wirkt, als der Klang es dann erkennen lässt, hatte man leicht den ?Wunderkind-Effekt?. Hochtalentiert und gut in ihrer Eigendarstellung ist Alexandra Soumm sicherlich ein herausragendes Talent, zur großen Künstlerin fehlt es ihr noch an Tiefe.
Heute Nachmittag dann Evgeny Sudbin in der kleinen und gemütlichen Stadtkirche von Gstaad mit einem Soloprogramm und am Abend dann ein Konzert in der Kirche in Saanen mit der Camerata Bern und unter anderem dem jungen Pianisten Andrei Korobeinikov. Ich bin gespannt, da ich beide Pianisten noch nicht live erlebt habe.




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