57. Busoni-Wettbewerb mit Neuerungen
Liebe Leser,
mittlerweile machen sich viele internationale Klavierwettbewerbe immer mehr Gedanken darüber, wer neben den Mitglieder einer Jury, die aus Pädagogen und Pianisten besteht, ansonsten die Kandidaten noch beurteilen könnte. Publikumspreise sind im Finale üblich. Einige Wettbewerbe haben auch Schüler-Jurys eingeführt. Und auch Presse-Jurys, die aus Vertretern von Medien besteht, sind nicht unüblich. Meist kommen die Presse-Jurys aber erst zum Semi-Finale oder Finale zum Einsatz. Anders in Bozen beim Busoni-Wettbewerb, bei der mich seit heute in der Presse-Jury sitze.
Man hat sich Mühe gegeben in Bozen, denn man wollte, dass die Presse-Jury die gesamte Zeit über mit vor Ort ist und zuhört, ebenso wie die Jury aus Professoren und Pianisten. Nun, beim Busoni-Wettbewerb finden zwar seit einigen Jahren die Vorrunden in einem, und die Endrunden im darauffolgenden Jahr statt, aber dennoch gilt es 24 Kandidaten zu hören und bis zum Finale nicht weniger als 10 Tage einzuplanen. Will man eine gute Presse-Jury haben, dann ist dies schwierig, da die meisten Journalisten schwer beschäftigt sind in diesem Zeitraum.
In Bozen hat man es hinbekommen: Neben der Italienerin Monique Ciola, die für das “Giornale della musica” schreibt, sitzen noch You Morioka vom “Chopin Magazine”, Japans größtem Klaviermagazin, Chloe Cutts, Chefredakteurin von “Piano International aus London, sowie ich als Chefredakteur und Herausgeber von PIANONews in der Jury.
Und trotz vielfacher Juryerfahrung stellen sich plötzlich vollkommen neue Fragen in dieser Konstellation:
1. Sollte eine aus Vertretern der Fachpresse bestehende Jury ander urteilen als eine Jury, bestehend aus Professoren und Pianisten? Und wenn ja, welche Kriterien sollte man zugrunde legen?
2. Urteilt man anders, wenn man weiß, dass man nur einen Preis für den gesamten Wettbewerb und alle Kandidaten zur Verfügung hat, auch wenn der ein oder andere vielleicht gar nicht in den kommenden Runden spielt, man ihn aber gut fand und würdig diesen Preis zu emfpangen?
3. Gibt es aufgrund der unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründe in den Länder der Presse-Jury-Vertreter unterschiedlichen geschmack, den man nun auf einen Nenner bringen muss?
Wie auch immer, der erste Tag ist rum und war sehr spannend wie unterschiedlich in Bezug auf die Leistungen der Kandidaten.
Wie denken Sie über diese Fragen, was meinen Sie? Schreiben Sie mir doch!
Ihr
Carsten Dürer




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