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Liebe Klavierliebhaberinnen und -liebhaber,

wenn man viel reist, erkennt man, dass die Märkte für das Klavierspiel in anderen Ländern als Deutschland vollkommen geartet sind, als vor der eigenen Tür. Aus Deutschland schaut man immer gerne einmal nach Skandinavien, wo es zahllose Klavierschulen für weitaus weniger Bevölkerung gibt als in Deutschland und zudem die finanzielle Ausstattung dieser auch noch besser ist als hierzulande. Auch in einigen Teilen Österreichs kann sich das Musikschulwesen sehen lassen. Immerhin gibt es in Oberösterreich Musikschulen, die es sich leisten können, einen Fazioli-Flügel in ihre Säle zu stellen. Anders hingegen stellt es sich mittlerweile in den südlichen Ländern Europas dar, in Italien und Spanien, wo die öffentlichen Förderungen fast gänzlich weggebrochen sind, um ein flächendeckendes gutes Ausbildungsniveau aufrecht zu erhalten. Das betrifft nicht nur die Musikschulen, sondern vor allem auch die Veranstalter, die viele Jahre von der öffentlichen Hand abhängig waren. Selbst in Frankreich hat der ehemals starke Kulturetat in den vergangenen Jahren große Einbußen hinnehmen müssen. Seither drängen selbst französische Pianisten, die noch vor Jahren im eigenen Land allein mit Auftritten in Festivals und Konzertreihen so gut verdienen konnten, dass sie gar nicht gewillt waren, in anderen Ländern für weniger Geld aufzutreten (Ausnahmen bestätigen da natürlich wie immer die Regel). Und seit in den Niederlanden vor Jahren der Kulturhaushalt um 50 % von heute auf morgen gekürzt wurde, sind auch dort die öffentlich getragenen Kulturinstitutionen bange um ihre Existenz.

Doch wie sieht es aus, wenn man die ausländischen Kenner des eigenen Marktes nach ihren Ansichten über Deutschland fragt? Da ist man erstaunt: Denn obwohl wir in Deutschland oftmals über fehlende – oder zumindest zu geringe – Unterstützung für das Kulturwesen klagen, scheint das europäische Ausland Deutschland immer noch als das Kulturland Nummer 1 zu sehen, in dem der Markt und die Möglichkeiten uneingeschränkt sind. Natürlich, kaum in einem anderen Land gibt es seit so langer Zeit ein großartiges Musikschulsystem, mehr als 20 Musikhochschulen, die von öffentlicher Hand getragen werden. Nicht zu zählen die zahllosen Klavierhändler, die ja anscheinend alle ihre Instrumente an den Mann bringen können. Daneben gibt es immer noch die Rundfunkanstalten, eine große Anzahl an Labels, die Aufnahmen machen, Veranstalter, die Konzerte organisieren und das Land geradezu mit Musik überfluten. Nicht zu sprechen von der riesigen Anzahl an Festivals, die jedes Jahr versuchen, ihre Attraktivität zu erhöhen.

Doch ist das alles wirklich so? Ja, es ist so. Aber! Ja, es gibt ein „aber“, denn wenn man den Prozess des Rückzugs der öffentlichen Hand aus der Musikunterstützung in den vergangen 25 Jahren betrachtet, dann ist es nicht so, dass der gesamte Etat geringer wurde. Vielmehr ist es so, dass es immer mehr Institutionen gibt, die von der öffentlichen Hand gespeist werden wollen. Und damit gibt es auch einen Niedergang der Unterstützung.

Natürlich werden Orchester zusammengelegt, Musikhochschuleinrichtung Universitäten angeschlossen oder ganz aufgegeben. Mann muss einmal genauer hinschauen: Der Prozess, der in anderen Ländern Europas drastisch für die Musik nach unten führte, ist hierzulande weitaus verlangsamt, aber er ist schleichend vorhanden. Und das sollte man sich vergegenwärtigen. Denn ohne die öffentliche Unterstützung funktioniert nur wenig. Wenn Sponsoren Konzerte oder Festivals unterstützen sollen (und dies auch tun), dann ist das nicht einfach sie davon zu überzeugen, denn immerhin bezahlen sie auch Steuern, die eigentlich auch der Kultur zugute kommen sollten. Wird die Kultur geringer, wird es schwieriger für die Dienstleistungsunternehmen an bestimmten Standorten hoch ausgebildetes Personal anzustellen, denn diese Klientel will ein kulturelles Umfeld. Sind die Institutionen nicht mehr mit genügend Etat ausgestattet, dann werden auch weniger hochwertige und für die Ausbildung wichtige Klaviere und Flügel gekauft, was die Klavierhändler und -hersteller betrifft. Wenn die Rundfunkanstalten, die auch von der öffentlichen Hand getragen werden, sich immer stärker aus dem Konzertwesen und der Kooperation mit Veranstaltern zurückziehen, werden weniger CD-Aufnahmen möglich sein, werden weniger Konzerte übertragen und so fort. Da fragt man sich, warum der Endverbraucher beständig mehr GEZ-Abgaben bezahlen muss.

Wenn es darum geht, dass Deutschland das Ansehen als Klavier- und als Kulturland wenigstens im europäischen Ausland behalten will, dann muss man die Zeichen der Zeit sehen. Und man sollte auf der Hut sein, alles rosig zu malen und zu sehen, denn wenn wir in Deutschland nicht aufpassen, ist es dann bald vorbei mit dem Kulturland. Und das Klavier und das Spiel auf diesen Instrumenten ist nur ein Aushängeschild, das diese Kultur eigentlich repräsentieren sollte.

Oder sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Liebe Klavierliebhaberinnen und Klavierliebhaber,

Ausschreibungen in der Klavierwelt geben immer wieder einen Anlass, um sich doch – bei genauerer Beschäftigung damit – zu wundern. Natürlich müssen gerade Stellen und Instrumentenanschaffungen, die von der öffentlichen Hand mit- oder vollgefördert werden, öffentlich ausgeschrieben werden – das zumindest verlangt das Gesetz. Doch manches Mal kann man doch seine Bedenken an der Aufrichtigkeit der Ausschreibungen, der Beurteilung der oder des Gewählten sowie der Kenntnisse an den Formulierungen haben.

Beispiel Professuren

Vor einiger Zeit wurde eine Professur an einer namhaften großen Musikhochschule in Deutschland für eine W2-Professru für Klavier ausgeschrieben. Etliche erfahrene Pianisten bewarben sich, die im mittleren Alter sind und bereits Lehrerfahrungen vorweisen können. Doch letztendlich erhielt ein 28-Jähriger Pianist diese hochrangige Professur, andere – mit weit mehr Erfahrung – erhielten nicht einmal eine Einladung, um sich vorzustellen. Und dennoch lautet die Begründung: „In der Summe seiner Erfahrungen in allen Bereichen des Berufsfeldes, der Effizienz seiner gezeigten Arbeitsweisen und pädagogischen Fähigkeiten zeigte er sich dem Profil der Ausschreibung in höchstem Maße entsprechend.“ Wie nun? Natürlich kann ein 28-Jähriger auch schon über viele Erfahrungen verfügen, kann künstlerisch sicherlich überzeugen. Doch kann er mehr dem Profil einer Professur entsprechen als ältere und in ihrer Summe letztendlich erfahrenere Pianisten und Pädagogen?
Die Frage, die sich stellt: Was will eine solche Musikhochschule? Will sie einen Namen haben, der vielleicht auf einigen Podien bereits bekannt ist, um Studenten an die Hochschule zu ziehen? Will man einen Pädagogen, der sich engagiert vor Ort um die Studenten kümmert? Will man einen Künstler, der erfahren genug ist, um tiefergehendes Wissen an die Studenten vermitteln kann? Wenn man alle drei Fragen mit „ja“ beantworten wollte, geht das in ihrer Summe nur in den seltensten Fällen bei einem Twen – wie in dem aufgezeigten Beispiel – zusammen …
Natürlich wurden auch schon in früheren Zeiten junge Pianisten zu Professoren bestellt, aber meist hatten sie noch nicht umfangreiche Reisetätigkeiten, CD-Einspielungen und andere Nebentätigkeiten auf ihrer Agenda stehen, so wie es heute der Fall ist. Kann solch ein aktiver Künstler wirklich beständig und eingehend jungen Studenten regelmäßig Wissen vermitteln? Das darf man zumindest in vielen Fällen bezweifeln.

Beispiel Instrumente

Wenn es um Flügel- und Klavierbeschaffungen von Institutionen geht, die von öffentlicher Hand gefördert werden, gilt es ebenfalls Ausschreibungen zu veröffentlichen. Ein Fallbeispiel jüngerer Zeit ist besonders interessant zu betrachten, denn bei diesem Beispiel bekommt man das Gefühl, dass es nur um eine Marke geht. So hat diese Institution eine Ausschreibung für die Anschaffung mehrerer Flügel einer Größe und mehrerer Klaviere ausgeschrieben.
Und dann liest man dort:

„Beschreibung der Beschaffung:
Konzertflügel Steinway B-211oder vergleichbar, geeignet als Orchesterklavier und für den solistischen bzw. kammermusikalischen Einsatz im Großen Saal (ca. 2000 Plätze) und im Kammermusiksaal (Kleiner Saal, ca. 530 Plätze).
Als vergleichbar werden anerkannt Bechstein, Blüthner, Bösendorfer-Yamaha und Fazioli.“

Nun kann man sich darüber streiten, ob für einen 2000-Plätze-Saal ein Flügel der Größ0e Steinway B ausreicht oder nicht. Aber warum wird dieses Instrument so spezifisch genannt und dann die anderen Marken nur als vergleichbar? Und warum diese Marken und nicht auch Steingraeber & Söhne oder Shigeru Kawai oder andere? Will man eigentlich keine Markenvielfalt testen, will man – so hat es den Anschein – eigentlich grundsätzlich einen Steinway & Sons-Flügel B kaufen, aber der Gesetzeslage Genüge tun und schreibt die Instrumente daher aus?

Für ein anderes Instrument derselben Institution lautet es:

„Bezeichnung des Auftrags:
Klavier Boston UP-132E PE oder vergleichbar
Als vergleichbar werden anerkannt Bechstein, Blüthner, Bösendorfer-Yamaha, Fazioli, Schimmel und Steinway.“

Boston ist natürlich eine Untermarke von Steinway & Sons, aber immerhin wird auch Schimmel genannt. Aber weiß man nicht, dass Fazioli gar keine Klaviere herstellt, sondern nur Flügel? Hier scheint sich derjenige, der die Ausschreibung vorgenommen hat, sich keine Gedanken gemacht zu haben, oder keine Kenntnisse zu besitzen. Und auch hier scheint die Nähe zum Unternehmen Steinway & Sons mit einem klar genannten Boston-Instrument zu überdeutlich.
Kein Zweifel: Steinway & Sons sowie Boston bieten gute Instrumente. Doch wenn man schon eine Ausschreibung vornimmt, dann sollte man sich die Mühe machen und nicht allein einen Katalog eines Herstellers mit den Instrumentenbezeichnungen vor der Nase haben, um diese Modelle präzise nennen zu können, sondern vielleicht einmal die Kataloge mehrere Hersteller zu nehmen, um die Modelle, die man als Alternativen akzeptieren würde, mit in die Ausschreibung aufzunehmen.

Das System der Ausschreibungen ist in seiner Grundidee gut, damit die Gelder aus Steuereinnahmen nicht direkt in Vetternwirtschaft verbraucht werden. Aber wenn das System so interpretiert, so umlaufen wird, dann kommen einem doch zwangsläufig Fragen in den Kopf: Müsste man das Gesetz nicht noch genauer formulieren? Müsste man nicht wirklich externe Fachleute einladen, um bei solchen Ausschreibungen beratend tätig zu sein und ihnen bei den Entscheidungen ein Mitspracherecht einräumen?
Wenn es um die Ausgaben von Steuergeldern geht, sollte man aufhorchen, denn auch wenn es letztendlich nicht um Summen wie in anderen Ressorts der Länder und des Bundes geht, so sollte man in der Kultur doch mehr Offenheit und Transparenz an den Tag legen – oder meinen Sie nicht?

Gerne lese ich Ihre Meinung zu diesem Thema.

Liebe Klavierenthusiastinnen und -enthusiasten,

wenn man über die Konzertlandschaft der Pianisten schaut, dann kann man schon erstaunt sein, wer so alles als „Star“ hochgejubelt wird. Sobald ein junger Künstler ein oder zwei gute Konzerte gespielt hat und ein oder zwei gute Rezensionen für diese Auftritte oder für eine CD erhalten hat, ist sie oder er gleich ein neuer „Star“. Dieses Wort ist mittlerweile so viel und inflationär benutzt, dass man es sich eigentlich auch sparen könnte. Denn kaum ein junger Künstler, der kein „Star“ ist; einer „seiner Generation“, einer „in seinem Land“ und so fort.
Schauen wir einmal zurück, wie der Begriff „Star“ in früheren Zeiten benutzt wurde. Da waren es vor allem die Hollywood-Größen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die als Stars bezeichnet wurden. Und damit einher ging eine bestimmte Aura, eine besondere Qualität über einen längeren Zeitraum auf der Leinwand. Die Nachhaltigkeit und die besonderen Leistungen standen also im Vordergrund – die über einen längeren Zeitraum. Kann es also sein, dass ein wirklich noch junger Pianist bereits ein Star ist? Nun, es gibt natürlich Ausnahmen, auch in jungen Jahren. So beispielsweise Evgeny Kissin. Der hatte aber als er Anfang 20 war bereits eine bestimmte Erfolgsstrecke vorzuweisen und damit auch einen länger anhalten Erfolg. Ansonsten ist es eher selten, dass man sagen kann, dass ein junger Künstler, der gerade einmal ein oder zwei Jahre lang die größeren Bühnen der Welt bespielt ein Star ist.
Schauen wir doch einmal auf die wirklichen Stars, die fast kaum mehr in der Musikwelt als solche bezeichnet werden, aus Respekt vor ihnen oder deshalb, da sie eigentlich irgendwie „schon immer da waren“. Da ist ein Maurizio Pollini, ein Murray Perahia, da ist eine Elisabeth Leonskaja oder ein Krystian Zimerman. Wenn wir auf anhaltenden und jahrzehntelangen Leistungen solcher Pianisten schauen, dann scheint es doch wohl ein Missverhältnis zu den Leistungen von soeben „entdeckten“ jungen Pianisten zu geben, die aber gleich als „neuer Star“ gefeiert werden.
Zudem ist es doch eher so, dass Stars eigentlich gar nicht kreiert werden von Marketingabteilungen, von der Presse oder anderen Drittparteien. Vielmehr werden sie dann zu wirklichen Stars, wenn sie ernsthaft und anhaltend ihrer Leidenschaft und ihrer Neugier für das Klavierspiel auf einem hohen Niveau nachgehen und nicht zwingend die Öffentlichkeit suchen, sondern die Öffentlichkeit als Publikum in ihre Konzerte geht. Sie verfügen über eine Intensität auf der Bühne, die sie von der Masse abhebt.
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: jeden Monat wird ein „neuer Star“ am Pianistenhimmel (auch solch ein Wort, das inflationär benutzt wird) angekündigt. Oftmals allerdings sind diese Stars dann auch schnellstens wieder in der Versenkung des Vergessens verschwunden. Sind es dennoch Stars geblieben? Genau das unterscheidet die wirklichen Stars von den „Stars“, die nur schnell mit diesem Wort besetzt werden: Die wirklichen bleiben auf den Bühnen und gehen bis ins hohe Alter ihrer Profession mit Engagement und nicht ermüdenden Eifer nach.

Liebe Klavierenthusiastinnen und Klavierenthusiasten,

es gibt eine Tendenz, die es in der Klavierbaugeschichte immer gab, die aber heutzutage ganz andere Auswirkungen hat als es in früheren Zeiten der Fall war. Ich spreche hier von Innovationsgeist und neuartigen Idee, die sich im Klavierbau immer mehr in Form von handgearbeiteten großen Konzertflügeln niederschlagen.
Natürlich sieht man als erstes immer die Namen der Firmen, die es lange gibt, die zahllose Instrumente gebaut haben und deren Name (auch aufgrund von Marketing) auf den Bühnen zu finden sind: Steinway & Sons, Yamaha, Kawai, Bösendorfer, Bechstein und so fort. Es sind traditionsreiche Unternehmen, die natürlich beständig Neuerungen im Klavierbau einführen, die aber aufgrund der Stückzahl und der langjährigen Konstruktionsweise nur langsam zu wirklichen konstruktiven Neuerungen führen. Das versteht man, auch wenn gesagt werden muss, dass keines dieser genannten Unternehmen jemals „stehen bleibt“ im Klavierbau.
Doch es gibt die ganz kleinen Unternehmer, die sich aufgrund von Erfahrungen, als Pianisten oder als Klavierbauer, mit alternativen Konstruktionsweisen beschäftigen. Und es ist bemerkenswert, dass einige parallel ähnliche Ideen haben, sie aber dennoch vollkommen individuell ausführen.
Da ist beispielsweise Wayne Stuart, der in Europa immer noch so gut wie unbekannt ist, da er seit 2001 nur wenige handgefertigte Flügel baut, weit weg – in Australien. Er baut einfach alles selbst, gießt sogar die Gussplattenrahmen seiner Flügel selbst – eine Ausnahmeerscheinung. Er hat eine vollkommen andere Konstruktion, mit Klemmagraffen, gerade Saiten in den Instrumenten, eigene Saiten und so weiter. Das Ganze ist aber vor allem handwerklich so faszinierend ausgeführt, dass es allein schon eine Freude ist, diese Instrumente anzuschauen.
Der französische Pianist Stephen Paulello hat sich vor vielen Jahren darangemacht, seinen eigenen Konzertflügel in der Garage seines südlich von Paris gelegenen Landhauses zu bauen. Auch er experimentierte mit Klemmagraffen und grader Besaitung seiner Flügel. Und auch er entwickelte seine eigenen Saiten, die er auch anderen Herstellern anbietet. Mittlerweile hat er, gemeinsam mit seiner Frau, eine Kleinproduktion aufgebaut und entwickelt einen neuen Flügel nach dem anderen. Seine Instrumente leben vor allem von einem riesigen Klang, der in jeder Nuance kontrollierbar und zudem sehr farbenreich ist. Das letzte Meisterstück, das er ablieferte war der „Opus 102“, ein Konzertflügel mit nicht weniger als 102 Tasten, gerader Besaitung und vielen neuen Details (s. Ausgabe 2-2016 von PIANONews).
Dann gibt es die Phoenix-Pianos, die von dem Musikliebhaber Richard Dain entwickelt wurden. Er forschte auf seiner Hurstwood Farm in der Grafschaft Kent in Großbritannien lange Zeit mit unterschiedlichen Materialien und brachte dann in Zusammenarbeit mit dem Klavierbauunternehmen Steingraeber & Söhne die Phoenix-Pianos auf den Markt, die vor allem mit einem Resonanzboden aus Karbon und einer auf Karbon basierten Mechanik (ähnlich der Idee der Millenium-Mechanik in den Kawai-Flügeln) als Innovation aufwartet.
Als Auftragnehmer für die Innovation in einem Flügel, der Schlagzeilen machte, ist der von dem belgischen Klavierbauer Chris Maene im Auftrag von Daniel Barenboim gebaute „Barenboim-Flügel“. Auch hier ist wieder die Idee von gerader Besaitung und vielen anderen Details verwirklicht, die die anderen genannten Klavierbauer bereits mit ihren eigenen Visionen eines „anderen Klangs“ individuell in ihren Flügeln ausgeführt haben (s. Ausgabe 1-2016 von PIANONews).
Man sieht, dass es seit zirka 15 Jahren Individualisten unter den Klavierbauern gibt, die sich beständig mit dem Klang beschäftigen und dies nicht nur umsetzen (denn davon gibt es natürlich auch sehr viele), indem sie Veränderungen an bestehenden Flügeln bekannter Marken vornehmen, sondern dazu übergehen, Instrumente von Grund auf neu zu denken, zu entwickeln, und dann auch tatsächlich zu bauen. Dass dabei interessanterweise Ideen wieder aufgegriffen werden, die schon in den Analen des Klavierbaus zu finden sind, ist besonders interessant, denn gerade besaitete Flügel gab es natürlich schon vor der von Henry Steinway eingeführten Kreuzbesaitung.
Es ist eine Zeit, in der es Innovationen am laufenden Band gibt, in der Individualisten nicht ruhen, bevor sie nicht ihre Ideen von ihrem Klang und ihrer Bauweise in die Tat umgesetzt haben. Genau das macht den Klavierbau heutzutage so lebendig. Und wenn man selbst spielt, sollte man sich diese Instrumente alle einmal anschauen und sie anspielen – es lohnt sich.

Die Frankfurter Musikmesse, die in diesem Jahr vom 7. bis zum 10. April stattfindet, hat ein neues Konzept aufgelegt, mit einer anderen Aufteilung der ausstellenden Hersteller in den Hallen, mit Business-Arealen – aber vor allem mit einer Öffnung von 10 bis 19 Uhr an allen Tagen für das Publikum. Allerdings sind die Eintrittspreise nicht gerade niedrig, will man zu zweit einen Messebesuch planen, bei dem man nicht nur die Eintrittsgelder, sondern auch die überhöhten Preise für Getränke und Snacks auf dem Messegelände berücksichtigen muss. Dennoch ist es ein Signal, hat man erkannt, dass es ohne die Endverbraucher eine Messe keinen Sinn mehr macht. In einer Welt, in der sich jeder ohnehin über das Internet über Neuheiten informieren kann, sind solche Ausstellungen fast nur noch Bekenntnisse, dass man Flagge zeigt und signalisiert, dass man existiert. Denn längst sind die Zeiten, in denen die Fachwelt auf die Neuheiten bei Messen wartete, vorbei. Und selbst wenn eine Neuheit auf einer Messe gezeigt wird, weiß es die Welt spätestens am selben Tag über die sozialen Netzwerke. Und das Business, das in früheren Zeiten ausschließlich auf Messe-Veranstaltungen vonstatten ging, wird heute meist auch abseits des Trubels solch einer Ausstellung vorgenommen.

Was findet ein Klavierliebhaber nun auf einer solchen Messe vor? Ausgestellte Klaviere und Flügel, vereint in einer Halle, in der fast jeder einmal ein Instrument anspielen will. Und da nun einmal ein Klavier und ein Flügel ein wenig mehr Lautstärke als eine Gitarre produziert, ist es laut in dieser Art von Ausstellungshallen. Nur dass das nicht sein darf, da achtet die Messegesellschaft schon drauf, da man ja keine Lärmbelästigung produzieren will (zu Recht, wenn man daran denkt, dass die Aussteller den gesamten Tag in dieser Atmosphäre ausharren müssen.

Was wäre die Lösung? Sogenannte lärmschützende Boxen wären eine Möglichkeit. Doch diese sind extrem teuer, in ihnen hört man einen Flügel auch nur bis zu einem gewissen Grad, da die kleinen Kästen nicht gerade einen Klang sich entwickeln lassen. Das allein kann es also nicht sein.

Einige Hersteller sind schon mehrfach dazu übergegangen und haben ihre Fachhändler aus aller Welt zu einem Besuch an ihrem Produktionsstandort eingeladen. Das macht Sinn, denn man hat einen intensiven, eher ruhigen und direkten Kontakt. Zudem kann man seine Instrumente in einer angenehmen Atmosphäre präsentieren. Genau dies sollte man auch den Endverbrauchern anbieten: Hausmessen bei den Herstellern. Dann könnten die Interessierten von Hersteller zu Hersteller reisen, sich informieren, die Unterschiede bestens kennenlernen, Gespräche führen. Dazu müssten die Hersteller sich nur absprechen, dass man die Termine nicht überschneidet.

Die Musikmesse wäre dann vor allem noch für die Noten-Interessierten gut und wichtig, da sie sich dort bei fast allen einschlägigen Verlagen direkt informieren können.
Vielleicht ist die keine Zukunftsmusik, sondern alle erkennen langsam, was sich die Klavierliebhaber wirklich wünschen.

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

in diesen Tagen – spätestens – erscheinen wieder die Kataloge der großen Sommer-Festivals in Deutschland und den angrenzenden deutschsprachigen Ländern. Wieder einmal freut man sich, dass in Mecklenburg-Vorpommern, im Rheingau, im schweizerischen Verbier und natürlich im Ruhrgebiet große Festivals sich – neben den vielen anderen Musik-Genres – auch der Klaviermusik widmen. Doch dann, wenn man sich einmal genauer mit den Programmen beschäftigt, man sich gerade die Klavierkonzerte heraussucht und sie miteinander vergleicht, ist man doch etwas bestürzt über die scheinbare Ideenlosigkeit der Verantwortlichen. Denn oftmals ist es so, dass dieselben Pianisten innerhalb eines Monats von Festival zu Festival reisen, man sie also überall im Sommer hören kann. Natürlich ist es schön, wenn man Grigory Sokolov in jedem Festival erleben kann, ebenso wie Igor Levit oder Daniil Trifonov. Aber ist es wirklich die Aufgabe von Festivals die Pianisten zu engagieren, die ansonsten auch in den subventionierten Konzertreihen der großen Städte auftreten? Wäre es vielmehr spannend, dass ein Festival vielleicht anderes bietet, neue Namen und damit zur Entdeckerfreude der Klavierfreunde beiträgt?

Es hat einfach den Anschein, dass die Festivals den Ideen und der Promotion einschlägiger Agenturen und anderer Firmen im Klassik-Bereich folgen. „Trends“ ist wohl das Schlagwort, das man nutzen könnte, will man den Grund für diese Dopplungen von Namen erklären. Dabei gäbe es so viele – gerade in Deutschland – noch zu entdeckende Pianisten, so viele unterschiedliche Programme … Gerade Festivals waren einmal angetreten, Neues außerhalb der gewohnten Konzertprogramme zu präsentieren. Doch nach und nach sind die Festivals dazu übergegangen, sich einem vordergründigen, allgemeinen Zeitgeschmack anzupassen. Und so wurden genau die Pianisten immer und immer wieder engagiert, die längst in den Saisons vor und nach den Festivals auftraten. Man scheint zu meinen, dass die Klavierliebhaber ausschließlich diese Künstler hören wollen, nicht daran interessiert sind, auch andere Namen zu entdecken. Und wenn dann hier und da doch einmal ein junger Künstler die Möglichkeit hat, sich in diesen Festivals zu präsentieren, dann folgen dem einen die anderen in gleicher Weise nach. Schade ist dies schon, denn so gibt es Wellenbewegungen, in denen man überall die gleichen Pianisten hört – und ein paar Jahre später dann dasselbe mit anderen. Wäre es nicht weitaus sinnvoller, wenn man es besser aufteilen würde, wenn auch die Pianisten die Chance bekämen, sich über die Jahre hinweg in den Programmen unterschiedlicher Festivals wiederzufinden, anstatt in einem Jahr überall abgehandelt zu werden?

Die Gleichheit der Programme ist jedenfalls traurig und macht die so bunte Welt der Klaviermusik ein wenig fad und grau.

Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

der weltweite Markt für akustische Klaviere und Flügel verändert sich zunehmend. Warum ich das sage? Nun, man muss sich einmal klar machen, wie sich die Welt der Klavierbauunternehmen für akustische Instrumente in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat. Damals gab es noch kaum ernst zu nehmende Klavierhersteller aus anderen Ländern Asiens als Japan. Es gab zwar längst Instrumente aus dem damaligen wichtigsten Land der akustischen Instrumente, nämlich aus Süd-Korea, aber irgendwie erreichten diese niemals das Niveau, um den europäischen Herstellern eine ernsthafte Konkurrenz zu werden. Mittlerweile aber werden nur noch wenige Instrumente in Korea oder Japan selbst hergestellt. Die meisten der zahlreichen Instrumente, die Samick, aber auch Yamaha und Kawai für den gesamten Weltmarkt herstellen, werden in firmeneigenen Werken in Indonesien produziert. In Europa hat die Vielfalt der Marken dagegen abgenommen oder sind einige der Hersteller mittlerweile so klein, dass sie auf dem Weltmarkt nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Die chinesischen Hersteller dagegen haben investiert, bauen immer mehr Instrumente – und verkaufen diese auch in aller Welt. Allerdings haben auch diese Hersteller – wie alle anderen, die sich im Bereich von hohen Stückzahlen befinden – mit dem steigenden Lohnniveau im eigenen Land zu kämpfen.

Während die großen Hersteller wie Kawai und Yamaha, aber auch Samick und selbst etliche der chinesischen Hersteller aufgrund der Stückzahlen, die sie produzieren, frühestmöglich erkannten, dass es für sie keinen Sinn macht, ihre Einzelteile (namentlich Mechaniken, Tastaturen, Resonanzböden, Saiten etc.) von anderen Herstellern zu beziehen. Also begannen sie bald schon alle notwendigen Einzelteile selbst zu produzieren. Nur die kleineren Herstellen mussten nach wie vor viele der Zuliefer-Erzeugnisse einkaufen. Das war kein Problem, da es den Lieferanten bei genügend Stückzahlen weltweit gut ging und die Qualität die vornehmliche Rolle spielte. Mittlerweile allerdings werden auch bei den Lieferanten von Mechaniken, Hammerköpfen etc. Kosten gespart und zum Teil lassen die größeren dieser Betriebe selbst schon im Ausland fertigen, wobei die wichtigsten immerhin in Deutschland oder anderen zentral gelegenen europäischen Ländern zu Hause sind. Was also passiert auf lange Sicht, wenn die Stückzahlen der von diesen Zulieferbetrieben abhängigen Hersteller weiter abnehmen? Nun, dann wird es wirklich kritisch werden, ein Instrument herzustellen. Zudem würde das letztendlich auch den Klavierbau im Bereich der hochwertigen Reparaturen betreffen, denn die Instrumente werden ja auch mithilfe der Zulieferbetriebe instand gesetzt und repariert – meist durch selbstständige Klavierbauer. Die Folgen wären katastrophal.

Die einzige Möglichkeit ist es für die kleineren Hersteller also, sich schnell nach einer gemeinsamen Lösung umzuschauen und das Konkurrenzdenken einmal beiseite zu lassen. Wenn dies nicht stattfindet, wird man schnell in eine unangenehme Situation abdriften …

Das Jahr 2016, das soeben erst so richtig begonnen hat, ist vielleicht eines, das wieder einmal Entscheidungen in sich birgt – hoffentlich positive für die europäischen Klavierhersteller.

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