Liebe Klavierfreundinnen und -freunde,

haben Sie sich jemals darüber Gedanken gemacht, ob es tatsächlich Menschen gibt, die das Besondere an einem Klavierabend beurteilen können? Die objektive Meinung wird da immer hochgehalten – aber gibt es die überhaupt? Nein, sie kann es eigentlich nicht geben, da wir uns nicht in der Physik befinden, in der bis zu einem recht hohen Grad Messergebnisse zur Bestätigung einer These führen können. Wir bewegen uns aber in der Musik und bei ihrem Vortrag immer im subjektiven Rahmen. Daher sind in der Regel auch in der Presse Artikel mit einem Namen versehen, um kenntlich zu machen, dass es eine subjektive Meinung ist, die da wiedergegeben wird. Natürlich kann und sollte man von Pressevertretern verlangen oder erwarten, dass sie aufgrund ihrer hohen Erfahrungen in einem bestimmten Bereich eine objektivere Meinung haben können, besser abzuwägen verstehen, vergleichen können aufgrund hohen Hintergrundwissens. Aber dennoch ist es immer noch eine subjektive Meinung, die da kundgetan wird.

Dennoch stellt sich mir oftmals die Frage, selbst für mich selbst, wie ich das wirklich Besondere einer Aufführung herausfinden kann, vor allem, wenn sie „anders“, gegen jegliche Tradition erfolgt? Nun, sicherlich spielt der Notentext erst einmal eine grundlegende Rolle, denn dieser sollte immer eine Grundlage – auch für den Interpreten – spielen. Dann ist es sicherlich das Wissen um die möglichen Freiheiten der Interpretation. Bei dieser Beurteilung hilft einem letztendlich auch der Notentext, aber auch das Hintergrundwissen, das Wissen darum, in welchem Umfeld, in welchen Zusammenhängen und unter welchen musikgeschichtlichen Aspekten ein Werk geschrieben wurde. Ein Werk von Bach kann sicherlich freier interpretiert werden, als eines von Bartók, der seine Werke mit sehr genauen Angaben versehen hat. Und dann ist da immer noch alles andere, der Anschlag, die Agogik, all das, was ein Interpret in seine Sicht auf ein Werk hineinsteckt. Wenn es dann doch anders ist, vollkommen anders, als es die Hör- und Interpretationsgewohnheiten sind, also, wenn die Erwartungen durchbrochen werden – ist es dann nur eigenwillig, extravagant, oder schon – im positiven Sinne wirklich besonders. Das herauszufinden, bedarf es der Hinterfragung der eigenen Hörgewohnheiten, der eigenen Vorstellungen. Man muss frei genug sein, um auch andere Meinungen gelten zu lassen. Dann erkennt man manchmal, dass eine eigenwillige Interpretation auch wirklich besonders ist. Aber man sollte vorsichtig sein und man sollte sich und seine festgefahrene Meinung beständig hinterfragen und kritisch beurteilen. Nur auf diese Weise kann man eine Art von Objektivität walten lassen – die letztendlich aber immer noch subjektiv ist.

Allerdings sollte man nicht allein der Masse folgen, etwas gut finden, nur weil andere es auch so sehen. Das Phänomen sehen wir viel zu häufig in Konzerten mit Interpreten, die einen Bekanntheitsgrad erreicht haben, bei dem die Interpretation aufgrund des Gusto der Person nicht mehr hinterfragt wird. Davor sollte man sich schützen.

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