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Beatrice Berrut

Spiritualität durch Musik

Von: Carsten Dürer

Die im schweizerischen Kanton Wallis geborene Pianistin Beatrice Berrut hat in den vergangenen Jahren eine beachtliche Entwicklung genommen. Doch die 32-Jährige Musikerin ist mehr als eine nur auf das Klavierspiel fokussierte Spezialistin. Sie interessiert sich für ihre Umgebung, liebt das Fliegen, sammelt Whiskeys und verbindet alles mit interessanten Sichtweisen auf die Musik. Mit bereits drei Solo-CDs hat sie besonders auf sich aufmerksam gemacht. In ihrer Heimat, der Schweiz, trafen wir zu einem Gespräch auf eine aufgeschlossene wie ernsthafte und zugleich verträumte Künstlerin.

Die Anfänge

PIANONews: Grundsätzlich gilt die Schweiz nicht originär als Klavierland in Europa. Wie kam für Sie der ers­te Kontakt ausgerechnet zum Instrument Klavier zu­stande?

Beatrice Berrut: Das war ganz einfach. Meine Mutter spielte immer Klavier und hat gesungen. Sie war eine sehr gute Pianistin und zu Hause stand immer ein Klavier. Deswegen bin ich dazu ge­kommen. Ich fand es toll, dass diese „Büchse“ so schöne Klänge erzeugen konnte.

PIANONews: Ist Ihre Mutter eine professionelle Pia­nistin?

Beatrice Berrut: Nein, aber sie spielte zu dieser Zeit sehr gut. Sie spielte Stücke von Schumann, beis­pielsweise die „Fantasiestücke“ oder auch Noc­turnes von Chopin. Und das alles fand ich un­glaublich toll.

PIANONews: Das bedeutet, Sie waren wahrscheinlich noch ein Baby, als Sie die Klaviermusik miterlebt ha­ben, richtig?

Beatrice Berrut: Ja. Ich selbst habe aber erst mit acht Jahren begonnen Klavier zu spielen, also zu üben und bekam dann auch erst Unterricht. Das lag auch daran, dass ich vorher sehr viel Ski ge­fah­r­en bin und viele andere Aktivitäten hatte.

PIANONews: Aber wenn es so viele andere interessante Aktivitäten für die kleine Beatrice gab, warum dann überhaupt Klavierunterricht?

Beatrice Berrut: Weil es für mich immer nur das Kla­vier gab …

PIANONews: … nicht Skifahren?

Beatrice Berrut: [sie lacht] Nein. Skifahren hat Spaß gemacht, aber auch nicht mehr. Das Klavier hat mich fasziniert, denn es konnte wie ein Or­chester klingen. Die Unabhängigkeit, die man mit dem Instrument haben kann, hat mich begeistert. Die ersten Jahre allerdings übte ich doch sehr dilettantisch, muss ich zugeben.

PIANONews: Bedeutet das, dass Sie gerade einmal vor der Unterrichtsstunde geübt haben?

Beatrice Berrut: Nein, schon jeden Tag, aber nur eine halbe oder eine Stunde. Darauf haben meine Eltern schon Wert gelegt, dass ich das Klavierspiel ernst nehmen sollte. Das Üben hat mir auch gut gefallen, vor allem die Stücke selbst. Ich spielte Mozart-Sonaten. Und das war meine erste kleine Aufnah­me, die ich selbst angefertigt habe: Die C-Dur-Sonate von Mozart. Die habe ich dann immer mit ins Auto genommen und ganz stolz angehört und gesagt: das ist mein Spiel! [sie lacht auf]

PIANONews: Aber wieso sagen sie dann, dass Sie dilettantisch gelernt haben?
Beatrice Berrut: Es gab einfach viele andere Sa­chen, die ich machen wollte: Ich wollte mit meiner Schwester spielen, ich fuhr Ski, und ich bin auch geritten. Es gab so vieles … ich hatte ein wirklich gu­tes Leben damals. [sie lacht herzlich] Und dann gab es diesen Schock, als ich mit 11 Jahren das 2. Kla­vierkonzert von Brahms hörte. Das hat mich in­nerlich ergriffen, ich war kopfüber verliebt in diese Klänge. Das bedeutete dann einen neuen Anfang in meinem Leben, ich hatte das Gefühl, als hätte sich mir ein neuer Kosmos eröffnet. Etwas, das ich vielleicht vorahnen konnte, das ich mir aber niemals so groß vorgestellt hatte. Es war die Einspie­lung von Krystian Zimerman, die mich so mitgenommen hat.

PIANONews: Das ist interessant, denn gerade das 2. Klavierkonzert von Brahms ist ja eher so etwas wie eine Sin­fonie für Orchester und Klavier.

Beatrice Berrut: Ja genau. Es hat so viel Kraft, der Klang hat mich umarmt und berührt. Ab da war mein Leben für immer anders, ich verstand, dass ich mein Leben der Musik widmen muss. Das war es!

PIANONews: Fühlt man sich nach solch einem Er­lebnis nicht als junger Pianist von 11 Jahren dann ein wenig eingeschränkt, wenn man sich allein an das Instrument setzt und solistisch spielt, da diese orchestrale Ebene fehlt?

Beatrice Berrut: Dieser Gedanke hat mir eigentlich nur geholfen, mehr zu üben, da ich dieses Klang­ideal von Brahms im Kopf hatte. Es hat mich so gefangen genommen, dass ich nicht schlafen konnte, es die Nächte durchdirigierte. Aber gefangen genommen auf eine positive Weise.

PIANONews: Was waren denn dann die ersten Solo­werke, die Sie auf ähnliche Weise begeistert haben?

Beatrice Berrut: Vor allem die 1. Klaviersonate von Schumann – in der Aufnahme mit Maurizio Pol­lini. [sie bekommt große Augen bei der Erin­ne­rung] Als ich 12 Jahre alt war, dachte ich, wenn ich das wunderbare Thema aus dem 4. Satz gut spielen kann, dann kann ich auch guten Gewissens ster­ben, da ich mein Lebensziel vollendet habe.

PIANONews: Aber Sie sind nicht gestorben, obwohl Sie diese Sonate schon häufig gespielt haben …

Beatrice Berrut: … und ja auch aufgenommen ha­be. Aber ich werde diese Sonate in meinem Leben ganz bestimmt noch 10 Mal aufnehmen, diese Wer­ke leben mit mir.

PIANONews: Aber Brahms’ 2. Klavierkonzert muss noch ein wenig warten?

Beatrice Berrut: Das mache ich noch, ganz sicher.
Das Studium

PIANONews: Erst haben Sie in Lausanne studiert, dann in Zürich. Aber dann sind Sie aus der Schweiz weg­gegangen. War das ein bewusster Schritt, nach Berlin zu gehen? Wegen der Lehrerin Galina Iwanzo­wa? Vielleicht auch, da sie Russin ist?

Beatrice Berrut: Ja. Der Grund war, dass sie eine Schülerin von Heinrich Neuhaus war, und ich wollte immer schon diese Schule kennenlernen, von ihr partizipieren. Das hatte ich schon in Zürich er­leben können. Frau Iwanzowa hatte so tolle Schü­ler, die ich gehört hatte. Zum Beispiel Martin Helm­chen oder Antoine Rebstein, der so gut war. Alles, was sie gespielt haben, war so tief und be­deutungsvoll, dass ich dachte, dass ich genau diese Ausbildung auch haben will. Zudem wollte ich nach Deutschland, da ich immer schon von diesem Land geschwärmt habe. Das war für mich das Musikland schlechthin. Ich mochte die deutsche Musik so sehr und noch heute sind vor al­lem Bach, Mozart, Schumann, Brahms die wichtigsten Komponisten – und Liszt, der ist eine Aus­nah­me. Aber ich spiele kaum französische oder russische Musik. Davon ausgenommen sind die Kla­vierkonzerte … aber in Recitals sind die Werke der Franzosen und Russen nicht vorhanden bei mir.

PIANONews: Noch nicht.

Beatrice Berrut: Ja natürlich. Denn man kann sich verändern, nein: man verändert sich. Aber ich ha­be zuvor noch viel Bach, Beethoven und Mozart zu spielen. [sie lächelt]

Das gesamte Interview lesen Sie in PIANONews 3-2017.

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