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Víkingur Ólafsson

„Wer zu viel über die Tradition nachdenkt, hat schon verloren.“

Von: Isabel Herzfeld

Er gilt als Shooting-Star der jungen isländischen Klassik-Szene: und wirklich hat die Karriere von Víkingur Ólafsson in letzter Zeit rasante Fahrt aufgenommen. Bereits jetzt hat der 32-Jährige einen festen Platz im Spielplan der jüngst eröffneten Elbphilharmonie, tourt zwischen Frankreich, Deutschland und Dänemark, von Reykjavik nach Washington D.C. und Los Angeles. In rascher Folge absolviert er so schwierige Konzerte wie das von Grieg oder das Erste von Brahms, wechselnd mit dem neu einstudierten, kräftezehrenden Doppelprogramm der Strauss’schen „Burleske“ und des „Capriccios“ von Igor Strawinsky. Zwischen den zahlreichen Auftritten leitet er noch das „Vinterfest“ im schwedischen Mora, im Sommer die von ihm gegründete „Midsummer Music“ in Reykjavik. Soeben erschien auch noch sein erstes Album für die Deutsche Grammophon mit Klavierwerken von Philip Glass, zum 80. Geburtstag des Komponisten. Bei all diesen Aktivitäten hatte der Pianist noch Zeit, mich kurz vor den Aufnahmen in den DG-Studios am Berliner Spreeufer zum ausführlichen Gespräch zu treffen, beim Kaffee in entspannter Atmosphäre.

Muss man nicht ein Kraftprotz sein oder eine Sportskanone, um diesen Aufgaben wenigstens von der physischen Seite her gerecht zu werden? Ohnehin unterläuft Ólafsson so manche Erwartung. Mir gegenüber sitzt ein ganz normaler junger Mann, freundlich und zuvorkommend, der mit seiner Brille und dem leicht ins Gesicht fallenden Haarschopf eher die Vorstellung vom Einser-Abiturienten erfüllt als das des skrupulösen oder genialischen Künstlers. Jegliche Attitüde ist Ólafsson fremd, natürlich und ungezwungen verläuft die Unterhaltung – wobei, wenn er sich besonders engagiert, dann doch ein paar Ecken und Kanten mehr zum Vorschein kommen als zunächst vermutet. Ein Newcomer ist er auch nicht. Vielleicht ist er noch nicht so lange „im Geschäft“, doch seit 15 Jahren mit tiefgreifenden Auseinandersetzungen und Aktivitäten befasst. Auch der Versuch, ihm eine Identifizierung mit seiner Heimat Island anzudichten, dem nördlichsten und am dünnsten besiedelten Inselstaat Europas, dessen Kulturleben erst seit einigen Jahren ins hiesige Bewusstsein dringt, schlägt fehl. Weder die in unseren Augen spektakuläre Landschaft, über die Elfen und Trolle die heimliche Herrschaft ausüben, noch klassische skandinavische Musik spielt in unserem Gespräch eine besondere Rolle. Sie interessiert Ólafsson, „wenn sie gut ist“.

Studienjahre in New York

Ist dieser Pianist wirklich so international, so globalisiert? Auf welchem Hintergrund entwickelte sich sein Talent? „Ich komme aus einem sehr europäisch ausgerichteten Elternhaus“, erklärt er. „Mein Vater war Architekt und Komponist, so ähnlich wie Yannis Xenakis, nur dass er vielleicht nicht ganz so komplizierte mathematische Strukturen verwendete. Meine Mutter studierte Klavier an der damaligen Hochschule der Künste Berlin (jetzt UdK) bei dem Rumänen Georg Sava.“ Das Klavier in der elterlichen Wohnung zog schon den Dreijährigen magisch an. „Als ich klein war, hatten wir nicht viel, aber was wir hatten, war ein Steinway-Flügel, in unserem kleinen Wohnzimmer dieses riesige Stück von Klavier, das habe ich als eine Art Spielplatz betrachtet, wo ich verschiedene Spiele spielen konnte. Auch später war das Klavier mein erstes Ziel, wenn ich aus der Schule nach Hause kam.“

Die Mutter war Víkingurs erste Lehrerin. An der Musikakademie von Reykjavik ging der Unterricht weiter bei dem Tschechen Peter Máté, den ersten Auftritt hatte der begabte Schüler „relativ spät“ mit 16 Jahren; er spielte das 1. Klavierkonzert von Tschaikowsky mit dem Island Symphonie Orchester. „Dann spielte ich etwa jedes Jahr ein Konzert, aber das Problem war: Ich arbeitete ziemlich viel, aber ich konnte mich nie einem direkten Wettbewerb oder auch nur einem Vergleich stellen, es gab nie einen Durchbruch aus dem engsten Kreis heraus.“ Die Entscheidung, Island schon in so jungen Jahren zu verlassen, erforderte Mut und Konsequenz. Erstaunlicherweise zog es ihn nicht nach Wien oder Berlin, sondern an die Juilliard School of Music in New York. Dabei kursierte auch in Island trotz eines schwächeren Bezugs zu Zentraleuropa das Vorurteil, aus den USA könne nichts kulturell Wertvolles kommen. Schon der 18-Jährige also tat nicht das Übliche, wählte einen ungewöhnlichen Weg. Dabei traf er in New York auf genau die Kultur, die ihm nach Befürchtungen der Eltern dort fehlen würde: Sein Lehrer Jerome Lowenthal hatte unter anderem bei Olga Samaroff studiert, die in Paris und Berlin ausgebildet wurde, sowie bei Eduard Steuermann, der aus Wien vor den Nazis fliehen musste und zu dessen Lehrern Ferruccio Busoni und Arnold Schönberg zählten. Vielleicht noch wichtiger: Lowenthal ging auch nach Paris zu Alfred Cortot. Als zweiten wichtigen Lehrer nennt Ólafsson Robert McDonald, der als Schüler von Rudolf Serkin ebenfalls europäisch-jüdische Tradition in den USA vermittelte. Doch Ólafsson schätzt gerade die Verschiedenheit dieser beiden Menschen: „McDonald – mit dem ich immer noch in Kontakt bin – ist extrem intellektuell, sehr analytisch, während Lowenthal mehr ein Mann der unerklärbaren Spontaneität ist, und ähnlich wie Cortot zaubert er unglaublich schöne Farben aus dem Klavier.“ Eine Gegensätzlichkeit, von der Ólafsson offensichtlich profitierte: Strukturelle Klarheit, differenzierter Klangsinn und tiefgehende, wenngleich unsentimentale Emotionalität vereinen sich in seinem Klavierspiel zu einer ganz persönlichen Mischung.

Das gesamte Porträt-Interview lesen Sie in PIANONews 2-2017.

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