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Janina Fialkowska

„Jede Note muss eine Intensität haben.“
Ein Gespräch zum 65. Geburtstag

Von: Hans-Dieter Grünefeld

Dichte Schneefälle und glatte Straßen begünstigten nicht eben den Start der von Janina Fialkowska gegründeten Internationalen Klavierakademie, die vom 17. bis 20. Januar 2016 bereits zum fünften Mal an der Bayrischen Musikakademie Marktoberdorf stattfand. Dennoch waren die Konzerte im Richard-Wengenmeier-Saal jeweils gut besucht, weil diese Veranstaltung eine exzellente Reputation erworben und ein Stammpublikum hat, das sich auch von widrigen Witterungsverhältnissen nicht abschrecken lässt. Und zwar wegen des Konzepts, von Janina Fialkowska persönlich ausgewählte, außergewöhnlich talentierte junge Pianisten mit professioneller Perspektive wie Tolga Ataly Ün (Türkei), Florian Glemser (Deutschland), Henry Kramer (USA), Charles Richard-Hamelin (Kanada) und Vitaly Pisarenko (Ukraine) dort durch Meisterkurse zu fördern und dann in Recitals vorzustellen. Die Grande Dame klassischer Klaviermusik wurde am 7. Mai 1951 in Montreal geboren und in Kanada für ihre Verdienste mit dem „Govenor General’s Award“ ausgezeichnet. Ihre internationale „Birthday Celebration Tour“ zu ihrem 65. Geburtstag begann Janina Fialkowska in Marktoberdorf, wo wir sie zu einem Gespräch über die beruflichen Bedingungen als Konzertpianistin und ihre neue Lebenssituation in Deutschland trafen.

PIANONews: Normalerweise gehen Menschen, wenn sie 65 Jahre alt sind, in Pension. Sie machen aber eine Welttournee. Warum?

Janina Fialkowska: Wir Konzertpianisten bekommen keine Rente. Nun gut, bei mir ist es auch eine Obsession, Klavier zu spielen. Ich bin Musikerin und liebe es, jeden Morgen zu üben. Allerdings lebe ich nicht unbedingt für die Bühne, das ist nicht meine Art. Andererseits brauche ich, wenn ich viel geübt habe, auch ein Ventil, muss Repertoire herausbringen, und wenn dann Konzerte gelingen, habe ich das bestmögliche Gefühl. Es macht fast süchtig. Also ist es eine Hass-Liebe. Wir lieben es, Klavier zu spielen, aber hassen die Anforderungen einer Karriere. Abgesehen davon bin ich sehr froh, dass ich in meinem Alter noch spielen kann, dass ich physisch und mental genug Kraft habe, um Konzerte zu geben, und dass mich Menschen hören wollen. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre weiterspielen kann. Für meine Karriere kämpfe ich jeden Tag, nicht nur um als Pianistin in Form zu bleiben, sondern auch, indem ich mich um Angelegenheiten kümmern muss, die ich mir vor 40 Jahren nicht vorstellen konnte, etwa Briefe an Veranstalter für die Akquisition zu schreiben. Während die klassische Musikwelt in den vergangenen Jahren kleiner geworden ist, versuchen sich mehr Pianisten als zuvor auf dem Markt zu etablieren.

PIANONews: Frauen möchten normalerweise nicht, dass man ihr Geburtsjahr kennt oder über ihr Alter spricht. Sie brechen Stereotypen. Warum?

Janina Fialkowska: Meine Lebensdaten zu veröffentlichen, habe ich kein Problem. Im Gegenteil: Eigentlich ist mein 65. Geburtstag eine Marketing-Kampagne geworden. Ich war überrascht, dass dadurch ein Tournee-Plan mit fünfzig Konzerten zustande gekommen ist.

PIANONews: Sie sind ja fast überall unterwegs, außer in Australien. Welches Programm haben Sie denn während dieser Welttournee im Gepäck?

Janina Fialkowska: Vor meiner Erkrankung im Jahr 20021 war eine große Konzertreise durch Australien geplant gewesen, die ich absagen musste. Seitdem bin ich niemals wieder dorthin eingeladen worden. Um nicht darauf festgelegt zu werden, nur Werke von Chopin aufzuführen, hatte ich im vergangenen Jahr viel Repertoire anderer Komponisten angeboten. Aber für dieses besondere Geburtstagsjahr habe ich mich für ein schönes Chopin-Programm entschieden. Ich weiß, dass etliche Menschen es altmodisch finden, wie ich Chopin spiele, aber das ist ein Kompliment für mich. Denn so spüre ich diese Musik. Und wenn das Publikum damit einverstanden ist, kann ich mit Chopin überall kommunizieren und Menschen in Japan, Portugal oder in den USA glücklich machen. Durch Chopin kann Hass und Neid vergessen oder doch beiseitegeschoben werden, wie hier in der Klavierakademie Marktoberdorf, wo Pianisten aus sehr verschiedenen Ländern sich ohne Konkurrenzgefühle verstehen können. Musik ist eine universale Sprache. Vielleicht ist es übertrieben zu sagen, dass dadurch Freundschaft entsteht. Aber Musik bringt Menschen zusammen. Und wenn es nur für ein paar Momente ist, immer noch besser als keine Momente. Unter dieser Voraussetzung und Erwartung ist meine Wahl legitim.

PIANONews: Ist es wichtig, dass Sie jetzt anderen Menschen etwas geben können, was Sie nicht geben konnten, als Sie jünger waren?

Janina Fialkowska: Ja, mit der Erfahrung und auch aus Fehlern habe ich gelernt, die Wünsche der Komponisten besser zu verstehen und in meiner Musikpraxis zu verwirklichen. Das ist ein anderes Talent als die Kunst der Interpretation oder ohne Makel Klavier zu spielen. Was ich meine, war das signifikante Talent von Artur Rubinstein2, nämlich durch den besonderen Klang vom Klavier zu kommunizieren. Das versuche ich auch. Ich kann das nicht zeigen, aber ich kann darüber reden, sodass junge Musiker anfangen nachzudenken. Das ist bei mir anders als vor 30 oder 40 Jahren. Es gibt durch meine reflektierte Erfahrung eine stärkere Verbindung zwischen der Seele von Chopin und meinem Publikum, dass es mehr versteht, was ich in Chopin erkenne und höre.

PIANONews: Ein damit zusammenhängendes Thema ist Passion und Arbeit bei Konzertpianisten. Wie ist das bei Ihnen?

Janina Fialkowska: Je älter ich werde, desto mehr beschäftige ich mich damit. Artur Rubinstein hat mir einmal gesagt, dass die größten Pianisten sich am meisten darum bemühen, dass die Musik spontan klingt. Aber sie wissen genau, was sie mit jeder Note machen. Und je mehr Kontrolle sie über jede Note haben, desto mehr klingt sie, als ob sie auf der Bühne komponiert wurde, kurzum: frisch. Wenn ich meine Studenten beobachte, wie sie etwa eine Phrase ab- oder aufwärts spielen, dann geht das sehr schnell. Ich aber höre jede einzelne dieser Noten und kann jeder Note ihre Persönlichkeit geben. Wenn sehr gute junge Pianisten ein Espressivo sehen, spielen sie Pianissimo mit viel Rubato. Das ist für sie Espressivo, aber total daneben. Ein Pianissimo muss lebendig sein, sonst ist es nichtssagend, hat keine Resonanz beim Zuhörer, man spürt nichts. Wenn eine Pianissimo-Phrase espressivo sein soll, hat sie eine unter der Fassade romantischen Ausdrucks verborgene Intensität, nämlich eine Spannung, die man bei jeder Aufführung haben muss. Das habe ich gelernt. Und je älter man ist, desto mehr Gewicht hat die Erkenntnis, dass jede Note eine individuelle Bedeutung hat. Bei Mozart, Beethoven und Chopin sehe ich, dass die ganze Struktur verloren geht, wenn man eine Note vernachlässigt. Wenn man Komponisten mit so klarer Diktion interpretiert, braucht jede Note eine Intensität. Davon darf das Publikum jedoch nichts bemerken.

Das vollständige Interview lesen Sie in Ausgabe 3-2016.

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